Band 
Erster Band.
Seite
152
JPEG-Download
 

152

hatte dieser sich entschlossen, als der tief gekränkte Graf Rudolfvon Werdenberg sich bey den Appenzellern cinfand. Um jedesMißtrauen zu zerstören, unterwarf sein entschlossener Sinn sichEntbehrungen, welche einem gewöhnlichen NitterSmanne jenesZeitalters unerträglich gewesen wären. Er ging gekleidet, wiesie, oft mit bloßen Füßen, und kämpfte in ihren Reihen; abersein Muth, seine Räthe, Erfahrungen und Kenntniß der Ge-genden hoben ihn bald unter die Anfüb/er.

Umsonst versuchte der Herzog im Sommer 1405, von Gra-fen, Edeln, Städten, dem Bischöfe von Constanz und dem Abteunterstützt, die Eroberung der Stadt St. Gallen, in welcher4oo Appenzeller lagen, und beym Abzüge mit seinem Heere litter am HauptliSberge von den nachziehenden Feinden einen mehrdurch die Nahmen, als durch die Zahl der Erschlagenen empfind-lichen Verlust. 1200 Mann, welche am 17 Brachmonath vonAltstätten her am Stoß gegen Appenzell vordringen sollten, durch-brachen leicht den Verhau am Abhänge des Berge«; aber näheran der Anhöhe wurden sie von 450 Tapfern, bey denen GrafRudolf sich befand, standhaft empfangen. Ein Uli Rotach,welcher, abgeschnitten, sich vor eine Viehhütte hingestellt hatte,streckte von 12 Gegnern 5 zu Boden, und fiel nicht, bis dieFlammen der in Brand gesteckten Hütte ihn zwangen, den Riickeirbloß zu geben. Als die Angreifer bald die Höhe erreicht zuhaben glaubten, wurden sie durch herab gerollte Steine und Holz-blöcke empfangen. Ein kräftiger Angriff der Appenzeller erfolgte,und die Erscheinung einer Schar in Hirtenhemden gekleideter, Weiber, welche von der Seite her ben Rückzug abzuschneidenschienen, vollendete die Bestürzung. Der anhaltende Regen warden leicht bewaffneten LandeSvertheidigcrn eben so günstig, alser die schwer Gerüsteten an festem Fußtritte hinderte, und dieSehnen ihrer Armbrüste schlaff machte. Schrecklich war die Nie-derlage der in dem engen Durchgänge des Verhaues sich drän-genden Flüchtlinge. Mehr als 4oo^ ein großer Theil derselbenvon Wintcrthur und Feldkirch, verloren ihr Leben, und nur