Band 
Erster Band.
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iu seyn, und blieb bey den Meisten eine bloße, Beschäftigungder Sinne und der Einbildungskraft. Man verkannte die eigent-liche Bestimmung des Menschen zu thätigem Gebrauche seinergeistigen und körperlichen Kräfte mit reiner Berufstreue, und hieltdagegen Entsagungen, Bußwerke, Wallfahrten, Schenkungenan geweihete Orte, die Beobachtung zahlreicher Feyertage durcheinen oft verderblichen Müßiggang, für sichere Mittel, sein Heiliu erwerben. Immer mehr wandte man seine Gebethe nicht anGott, sondern an die von dem Papste zu Heiligen erhobenen Abge-storbenen, insbesondere an die Mutter Jesu, als Fürbitter, unddiese Verehrung ward nach und nach zu einer Art von wirk-licher Anbethung; ja man dehnte sie auf leblose Dinge, Abbil-dungen, Sinnbilder, das Zeichen des Kreuzes aus. Man schriebdiesen sowohl, als den Ueberbleibseln und Kleidungsstücken jenerHeiligen, die man Reliquien nannte, dem Geläute der Glocken,dem geweiheten Wasser, u. s. f. wunderbare und göttliche Kräfteöu. Traf ein Unglück Einzelne oder Mehrere, so schrieb maneS der Versäumniß irgend einer kirchlichen Vorschrift oder Cere-monie zu, und suchte durch eben die angeführten Hülfsmittel sichden Himmel zu versöhnen.

Religiöse und moralische Belehrung war dem Volke beynahefremde geworden, die Bibel den Laien ganz entzogen, und diewenigen Geistlichen, welche sie lasen und lesen konnten, benutz-en sie meistens nur für das Studium einer scholastischen Theo-logie und zur Unterstützung kanonischer und hierarchischer An-sprüche. — Wissenschaftliche Kenntnisse lagen beynahe ganz dar-nieder; in den Klöstern und unter der niedern Geistlichkeit herrsch-en grobe Unwissenheit und Ausschweifung. Das Beyspiel kamNon oben her. Die hohe Geistlichkeit, insbesondere die Italie-nische, überließ sich allen Zügellosigkeiten, und die größten Ver-brechen der Geistlichen blieben meistens ungestraft, weil sie sichd" Aufsicht des StaateS und dem weltlichen Richter zu entzie-hen gewußt hatten. Nachdem die Spaltungen über die Besetzungdes Römischen Stuhles aufgehört hatten, saßen am Ende