96
Eidsgenossen selbst einen großen Einfluß ausübte, stand in derengsten Verbindung mit der Französischen Gesandtschaft. Um1670 hielt das Stift 16 Compagnien in Frankreichs Dienste.Allein als alle drey Reichscollegien den Abt Gallus seiner Für-stenwürde zu entsetzen öroheten, und die St. Gallische HerrschaftEbringen in Schwaben von den Reichstruppen geplündert wurde,zog der Abt 1677 seine Mannschaft zurück. So sehr ändertensich die Verhältnisse, daß 1684 Frankreich der Abtey die Bundes-gelder nicht mehr ausbezahlte, und der Bothschaster den AbtGallus aufforderte, den vom Thurm nicht mehr auf die Tagsatzun-gen zu senden. Nachdem Cölestin Sfondrati, der ohnehin durchseine Schriften gegen die Freyheiten der gallikanischen Kirche demFranzösischen Hofe mißfiel, zum Abte war gewählt worden, stiegdie Erbitterung so hoch, daß 1689 der Französische Bothschastersich weigerte, eine eidgenössische Abordnung anzunehmen, weilFidel ein Mitglied derselben war.
Sehr thätig waren Sfondrati und sein Lanöeshofmeister inder innern Politik. Ohne den Wartauer - Handel wäre ein Bünd-niß zwischen der Abtey und dem Stande Bern, welches, von demCapitel bereits genehmigt wurde, wahrscheinlich zu Stande ge-kommen. Desto mehr ermähnten sie nun die katholischen Orte,sich durch Waffenübungen und Sammlung von Vorräthen in einebessere kriegerische Verfassung zu setzen, und bereits wurden aufder Lagsatzung zu Luzern im December 1695 Operations-Planeauf mögliche Fälle entworfen. In den V Orten unterblieben dieAurüstungen, weil die Geistlichkeit nicht das meiste dazu beytragenwollte. Cölestin hörte nicht auf, seinen Plan zu betreiben.Eine ungewöhnliche Erscheinung war die Erhebung dieses AbteSzur Cardinals-Würde; allein aus Schonung für die Abtey ent-sagte er derselben schon am io Januar 1696, und ging nach Rom.Seine weit aussehenden Absichten hatte er mit einem so gefälli-gen äußern Benehmen verbunden, daß 5o angesehene St. Gallerihn bey seiner Abreise eine Strecke Weges zu Pferde begleiteten.Ein entschiedenes Bestreben, den unabhängigen Fürsten öffentlich