158
und Bern über ihr einseitiges Einschreiten. Diese beriefen sichauf die frühern Einladungen des kaiserlichen Geschäftsträgers unddes Abtes selbst, welcher Religionsfreyheit verheißen habe, wennman ihm die politische Oberherrschaft zugebe. Die Linden (Ge-linden, so nannten sich die Anhänger des Fürsten) störten fort-dauernd die Catechisationen und das Singen der Psalmen imuntern Amte; und Schlägereyen erfolgten. Der Uebertritt vonungefähr dreyßig Katholiken im Toggenburg zur reformirtenKirche, wovon einige später wieder zurück traten, machte in denV Orten großen Eindruck. Ueber die Landeshoheit des Keller-amtes zwischen der Reuß und dem untern Albügebirge, welcheZürich seit langer Zeit angesprochen hatte, entstand eine neueFehde, weil die katholischen regierenden Orte der' Grafschaft Ba-den dieselbe den Zürichern streitig machte, und die Frage durch dieMehrheit entscheiden wollten, indeß Zürich, von Bern unter-stützt, die Entscheidung durch gleiche Sätze forderte. Als Zürichaus den 15 Januar 1708 wegen der Neuenburgischen Angelegen-heit eine Tagsatzung nach Baden ausschrieb, wollten die katholi-schen Orte die Entscheidung der Kellerämtischen und Toggenbur-gischen Angelegenheiten vorher gehen lassen. Von dem Französi-schen Bothschafter in dieser Ansicht bestärkt, machten sie Zürichund Bern den Vorwurf, sie beobachten weder Bündnisse nochVerträge; diese zählten hingegen eine lange Reihe von Beschwer-den gegen jene auf. — Noch wollten Schwyz und Elarus ihrLandrecht der Entscheidung der übrigen Orte nicht unterwerfen. —Zwischen Zürich und Bern und den V Orten stieg das Miß-trauen inzwischen auf den höchsten Grad. Von beyden Seitenrüstete man sich, nahm Waffenübungen vor und verdächtigte auchdiejenigen, welche durch die Nähe der fremden Kriegsheere ver-anlaßt wurden. Auf einer katholischen Conferenz zu Luzern imApril wurden Freyburg und Solothurn an die geheimen Ab-schiede erinnert, die Walliser gemahnet und die Urner aufgefordert,die katholischen Bündner zur Mitwirkung aufzufordern; die Ver-mittelung der M Bünde lehnten dagegen die katholischen Orte ab.