Band 
Zweyter Band.
Seite
354
JPEG-Download
 

354

unterblieb. Während der Regierung dieses Fürsten kehrten Zu-friedenheit und Ruhe nicht in das Bisthum zurück.

Groß war zu jener Zeit der Einfluß der Familie von Rei-nach in dem Domcapitel. Schon war 1724 ein Bruder desBischofs, der Domprobst Johann Baptist, zum Coadjutor ge-wählt worden. Er starb zwar bald nachher; allein nach demTode des Bischofs Conrad bestieg wieder ein Glied dieser Fami-lie, Jakob Sigmund, den bischöflichen Stuhl, und eben so fest,als sein Vorgänger, hielt dieser an dem ergriffenen Systeme. ImSeptember 1739 schloß er durch einen Bevollmächtigten mit demKönige von Frankreich eine«, Vertrag, in welchem man sich ge-genseitig die Sicherheit seiner Maaten, die Auslieferung entwiche-ner widerspenstiger Unterthanen, und iiberdieß der König dem Bischöfedie Stillung der im Hochstift dauernden Unruhen verhieß; doch wur-den den bischöflichen Unterthanen die Rechte der Schweizer inFrankreich auöbeöungen. Am 27 April 1741 fand der wahreZweck des Vertrages endlich seine Anwendung. FranzösischeTruppen rückten ins Bisthum ein; mehrere Dörfer wurden ge-plündert, die Häupter der Unzufriedenen gefangengesetzt, einigeam Leben, andere am Vermögen oder an der Ehre gestraft, unddadurch der Widerstand niedergeschlagen. Im Januar 1742 ver-ließen die Franzosen wieder die Landschaft. Doch blieben 86Grenadiere noch einige Zeit zurück.

Wenn die Einwürfe gegen die Zweckmäßigkeit bestimmterVerfassungen nicht schon dadurch beseitigt würden, daß sie ent-weder die Willkür hindern, oder doch zeigen, wo Willkür beginnt,so würden ihre Vortheile dadurch überwiegend seyn, daß dieVerfassung der aus ihr hervorgehenden Regierung den Charakterder Rechtmäßigkeit aufdrückt. Auch der zweckmäßig handelndeObere ist unsicher, wenn er nicht den Ansprüchen und VersuchenAnderer die Nechtmäßigkeit seiner eigenen Stellung entgegen setzenkann. Nie hatten die Menschen das Erbrecht und vollends dieErstgeburt ausgewählt, um denjenigen zu bezeichnen, der an derSpitze von Millionen Menschen stehen soll, weil diese Bedin-