Band 
Zweyter Band.
Seite
368
JPEG-Download
 

368 -

zwey -Beamten von Uri zu entlassen, mit der Anzeige, daß Lann-zumahl auch den zwey Abgeordneten des Thales die Rückkehrwürde bewilligt werden.

Mittlerweile hatte auch die Landsgemeine von Livinen, woman die Getreuen und Anhänger der Urner durch schwere Dro-hungen bald zum 'Schweigen gebracht, zusammen geschworen,sich zum Widerstände zu rüsten und bis auf den letzten Mann zuvertheidigen. Es wurde beschlossen, eine Wache auf dem nochmit tiefem weichem Schnee bedeckten Gotthard aufzustellen, undbey Annäherung eines Angriffes von Urseren her sogleich mitzweytausend Mann den Gipfel des Berges zu besetzen. Hiervonbenachrichtigt, zogen am 15 Morgens bey starkem Regen nichtvolle tausend Mann Urner mit sechs Stücken die Gotthardsstraßshinan. Am 14 mit Anbruch des Tages überraschten hundertderselben, von zwanzig Freywilligen aus Urseren begleitet, dieVormache der Lrvener, und bemächtigten sich der Höhe des Terzges ohne einigen Verlust, und die Entflohenen erschütterten denstolzen Muth ihrer verwegenen Genossen. Am 15 folgten nochzwey Compagnien Urner den vorhergegangenen nach, und schonfand man sich stark genug, Schwyz und die bereits marschferti-gen Züricher und Zuger zurück bleiben zu heißen. Die Livener wagtenes nicht mehr, gegen das von der Höhe her drohende Uri vorzu-schreiten. Am 20 erhöhten siebenhundert Ob- und Nidwaldnermit ihren Fahnen den Muth der zu Urseren harrenden Urner,und als der Schnee wieder fester geworden war, brachen am 21die Vereinigten auf, ließen den Gotthard stark besetzt, und stie-gen des Abends mit sechszehnhundert Mann über Airolo in dasmit Schrecken erfüllte Thal hinunter.

Die wenigen zurückgebliebenen Männer ergaben sich aufGnade und Ungnade, und wurden entwaffnet. Zur Entschuldi-gung der übrigen sagte man, sie seyen auf den Bergen; alleindie Livener sollen die Absicht gehabt Haben, am Platifer denUrnern Widerstand zu leisten, ihnen von dem Berge hinunter indie Seiten und in den Rücken zu fallen, und sie so aufzureiben.