Band 
Zweyter Band.
Seite
467
JPEG-Download
 

467

Schriftsteller den meisten Jünglingen die Philologie so zumAbscheu wird, daß sie beym Austritte aus den Schulen gewöhn-lich dasselbe ganz von sich werfen, und so die darauf verwandteKeil verlieren. Diesen Männern war es wichtig, dahin zu wir-ken, daß in den Rathssälen, auf den Lehrstuhlen, im Predigt-amte, und in der ganzen gebildeten Classe ihrer Mitbürgerzahlreiche, mit den Griechen und Römern vertraute Männerstehen. Dieß sahen sie für den Hauptzweck ihrer Thätigkeit an,und nichts desto weniger gingen talentvolle Kritiker, wie Hot-tinger und noch andere lebende Gelehrte, aus ihren Hörsälen her-vor. Sie hielten mit Grund fest auf der Uebung des Gedächt-nisses und auf der gründlichen Einprägung der Grammatik undder Grundsätze der Kritik; aber gleich den Wiederherstellen: deSclassischen Studiums führten sie ihre Zuhörer, sobald sie dessenfähig waren, durch das Lesen ganzer Lucher in den Geist derAlten so hinein, daß die so Gebildeten in der Folge nur die Ju-gendbekanntschaften erneuerten und fortsetzten, und nicht vorkaum bekannten Nahmen zurück bebten.

Wissenschaften und Künste verbreiteten sich über einen großenTheil der Eidsgenoffenschaft. Albrecht von Haller, dessen viel um-fassender Geist die Naturwissenschaft, insbesondere die Botanikund die Arzneykunde, erforschte und bereicherte, breitete sichauch über Philosophie und Staatskunde aus, und vergütete alsDichter durch Kraft und Gedankenfülle reichlich die Rauhig-keit der Sprache des Zeitalters, welche bald aus den GesängenSalomon Geßners sanft und in zarten Gefühlen ertönte. Bod-

der Körper wobt bekannt seyn; aber auf dem anatomischen Theaterallein bilden sich weder Mahler noch Bildhauer.

Lobenswerth ist noch jetzt ein guter Lateinischer Styl, und alle Ach.tung verdient der gelehrte Philologe; aber weit wichtiger ist es fürden Staat, wenn seine gebildeten Männer zahlreich die Geschicht-schreiber, Redner, Dichter und Philosophen Roms und Griechen-lands lesen.