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Eine Zentral-Behörde für Statistik ist seit dem 40jährigen Be-stehen des Deutschen Bundes amtlich nicht vermisst worden; denn wäre diesesder Fall gewesen, so würde es an Bestrebungen zu deren Einrichtung wahr-scheinlich nicht gefehlt haben. Dessenungeachtet bin ich der Ansicht gewesen,dass eine solche Einrichtung vielfachen Nutzen bringen könnte und habe deshalbim Jahre 1846 den Verein für deutsche Statistik gebildet. (Ueber seineThätigkeit geben die Jahrg. 1847 und 1848 seiner Zeitschrift Auskunft). Auchhegte ich stets die Ueberzeugung, dass den Regierungen die Statistik ein un-entbehrliches Hülfemittel sei und habe deshalb im März 1848 der Bundesver-sammlung eine Denkschrift über die „Aufgabe und Stellung der Statistik„bei der Ober-Behörde des Deutschen Bundes“ überreicht; auch später fernereentsprechende Vorschläge gemacht. — Allein von dergleichen Bestrebungenfür das Gemeinwohl hat man selbst: niemals Vortheil, selten Dank, abergewöhnlich Schäden. Der Letztere ist mir zu Theil geworden; indem ich die| Kosten des Vereins für deutsche Statistik aus eigener Tasche habe bezahlen( müssen und indem ich auf meine Anträge bei der Bundesversammlung abscldäg-j lieh beschieden bin. —
• Ein zweiter Versuch d’er Zentralisation der Statistik ist voni Otto Hübner in Berlin seit 1852 gemacht. Ueber Zweck und Erfolge diesesj Unternehmens wird der nachfolgende „Jahres-Bericht des Statistischen Central-i „Archives für das Jahr 1853“ die beste Auskunft ertheilen.
J „Wie in dem vorläufigen Bericht für das erste Semester 1853 mitgetheilt, habe ich Ende
; „des Jahres 1852 die-verschiedenen Regierungen, Verwaltungen öffentlicher Anstalten und Freunde! „der Statistik eingeladen, mich durch regelmäsige Zusendungen statistischer ActenstücKe, amt-j „lieber Berichte und neuer Gesetze in dem Versuche zu' unterstützen, ein Archiv zu gründen,„welches der Wissenschaft, der Gesetzgebung, der Verwaltung und dem Geschäftslehen eine voll-j. „ständige Sammlung von Thatsachen und Erfahrungen zu bieten vermöge.
; „Diese Sammlung soll unentgeldlich Jedermann zur Benutzung offen stehen, mit ihrer
; „Hülfe Anfragen beantwortet und Ausarbeitungen über staat6wirthschaftliche Angelegenheiten ge-( „liefert werden.
„Bis zum Schlüsse des Jahres 1853 hat nun das Archiv von Regierungen. Verwaltungen,. „Vereinen und Privaten ca. 5000 Documente, Druckschriften und andere Mittheilungen empfangen.„Hierunter befanden sich amtliche Zusendungen aus:
„Preussen, Oesterreich, Bayern, Königreich Sachsen, Baden, Hannover, Oldenburg,
„Mecklenburg, Braunschweig, Sachsen - Coburg, Sachsen - Gotha, Hamburg, Bremen,
„Bussland, Frankreich, England, Vereinigte Staaten von Nordamerika, Brasilien',
„Spanien, Dänemark, Belgien.
„Von beinahe allen andern Regierungen sind Mittheilungen zugesichert.
„Oeffentliche Anstalten, Vereine und Privaten der genannten und anderer Länder sind
• „bereits mit dem Central - Archiv in Verbindung getreten. Nur in mehreren der Südameri-, „Iranischen Republiken, im Kirchenstaat, in Neapel, in Afrika, in Persien; „und den unabhängigen Indischen Ländern hat das Central-Archiv bis jetzt gar keine Ver-bindungen.
„Sowohl von Regierungen als von anderer Seite wurde das Central-Archiv mit Arbeiten„beauftragt, und durch das hierfür eingegangene Honorar nicht allein jede Auslage gedeckt, son-dern auch ein kleiner Ueberschuss gewonnen.