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Hamburg und Bremen die Handels-Statistik, (unter sachkundiger kräfti-ger Leitung und durch genügende Mittel,) vermöge ihrer Leistungen die ersteStelle in Europa errungen. Die Leistungen des „Handelsstatistischen Bureau“in Hamburg (unten S. 661) seit 1847 und der „Behörde für Handels-Statistik“in Bremen seit 1848 (unten Seite 664) sind so vortrefflich, dass ich den leb-haften Wunsch nicht unterdrücken kann, die Zollvereinsstatistik möge ein Wenigvon ihnen lernen. Zu bedauern ist übrigens, dass Hamburg und Bremen hin-sichtlich fast aller sonstigen Zweige der Statistik so sehr zurückgebliebensind, dass deren Regierungen nicht einmal, Einwohner-, Häuser-Zahl u. dgl. genaukennen: Hoffentlich wird mindestens in Hamburg, durch den neuerlich dort zu-sammengetretenen „Verein für Statistik“, eine theilweise Besserung dieses Uebelsgeschehen.— In Lübeck dagegen sind, besonders durch die höchst verdienst-lichen Bestrebungen des „Yereins für Lübecksche Statistik“, fast alle wichtigenVerhältnisse statistisch erforscht und gründlich bearbeitet. Die Schriften des Vereins,so wie dessen Beiträge zu den neuen Lübecker Blättern, sind von besonderenInteresse. Dass die Han d eis-Statistik in Lübeck zurückgeblieben ist (untenS. 674) stellt sich lediglich als eine Folge der dortigen Zollverfassung dar. —Die amtliche Statistik der freien Stadt Frankfurt a. M. besitzt keine Zentral-Anstalt für die Statistik. Auch bei den einzelnen Zweigen der Verwaltung desStaats Frankfurt giebt es weder amtliche Einrichtungen, noch Vorbereitungenfür die Statistik, und desshalb kann es auch keine Verwunderung erregen, dassder Regierung sogar die allerersten Grundlagen für die Verwaltung, z. B. dieZahl ihrer Bürger, ihrer Schulkinder, ihrer Gebäude, ihrer Hausthiere, der Be-nutzung und des Ertrags ihres Bodens, ihrer Gewerbe u. dgl. unbekannt sind.Die Handelskammer dieses reichen, grossen Verkehrsplatzes veröffentlicht gleich-falls keine Berichte und ohne die tüchtigen Privatarbeiten des Ober-Zoll-Insp.Lamm würde man gar nicht im Stande sein ein Bild vom Frankfurter Handelzu entwerfen. Um so mehr Dank verdienen die statistischen Bestrebungen ein-zelner Privatpersonen, z. B. frühere der Professor Kriegk, Meidinger,Dr. Stricker; jetzt des Dr. Kirchner, Vorstehers der Standesbuchführung.Letzterer Hess schon im März 1852 „Uebersichten der im Jahre 1851 in Frank-furt a. M. und den Frankfurter Landgemeinden Getrauten, Geborenen und Ver-storbenen“ erscheinen, welche als ein dankenswerther Anfang bezeichnet wer-den müssen und namentlich eine (bis jetzt selten vorkommende) wissenschaft-liche Ordnung der Sterbelalle nach Todesursachen, enthalten. Im Februar 1854folgte ein vorläufiger kürzerer Bericht für 1853, im April 1854 sind die ent-sprechenden „Uebersichten für 1852“ erschienen; bereichert durch eine Dar-stellung der Ergebnisse der Volkszählung im Dezember 1852 und eine Berech-nung der Bevölkerung nach ihren Religionsbekenntnissen. Seit 1. Juli 1854besteht in Frankfurt a. M. ein Verein für Statistik.