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Emährnngsfähigkeit des Bodens in Europa.
jedoch dabei in vorherrscliende Spatenkultur übergegangen zu sein. Einsolcher ausgebildeter Betrieb würde für je 225 Morgen 27 Arbeiter, 8 Pferdeund 70 Nutzrinder erfordern; mithin für ganz Europa:
139,050000 Arbeiter, 41,200000 Pferde und 360,500000 Nutzrinder.
7. Hierbei ist derjenige Theil des Bodens, welcher, obgleich dazu geeig-net, bis jetzt weder als Pflug- und Grabe-, noch als kunstmässig behandeltesGrasland benutzt wird, ausser Berechnung geblieben. Nimmt man aber an, dassnur Vio dieses bisher unangebauten (oder als Naturwald benutzten) Bodens ur-bar gemacht würde, so würden dadurch (bei Dreifelder- oder Fruchtwechsel-Wirthschaft) 11 bis 12 Millionen Arbeiter mehr beschäftigt werden.
Die Koppel- oder Egarten-Wirthschaft hat in Europa eine verhältnissmäsiggeringe Ausdehnung und die Fruchtwechselwirthschaft in ihrer höchsten Aus-bildung, findet sich nur in grösseren oder kleineren Theilen von England, denNiederlanden, Belgien, Deutschland und Italien. Deshalb kann der jetzigeBedarf der Europäischen Lan d wi rth s chaf t im grossen Durchschnittschwerlich höher veranschlagt werden, als für je 225 Preuss. Morgen Pflug-,Grabe- und kunstmäsig behandeltes Grasland (also nur mit Ausschluss der Forst-wirthschaft und der landwirtschaftlichen Nebengewerbe) zu 17 Arbeiter, 6Pferden (oder 4 Pferden und 4 Zugochsen) und 50 Nutzrindern. Dies ergebefür ganz Europa:
107,550000 Arbeiter, 30,900000 Pferde und 257,500000 Nutzrinder.
Beim Betriebe der Forstwirthschaft werden, behuf der Leitung, Auf-sicht und Schutz, für Waldflächen von je 4500 Morgen etwa 2 bis 3 Personenerforderlich sein; je nach Belegenheit, Beschaffenheit und Pflichtigkeit des Wal-des. Zu den eigentlichen Arbeiten im Walde kann man, im grossen Durch-schnitt und mit Beschäftigung das ganze ,Jahr hindurch, für je 600 MorgenWaldfläche 1 Arbeiter rechnen. Da jedoch ein sehr grosser Theil der Wald-flächen unseres Erdtheils eine kunstmässige Pflege nicht geniesst, so darf manhöchstens annehmen, (abgesehen begreiflich von der Holz verarb eitung) dassdurch je 500 Morgen 1 Person ununterbrochene Beschäftigung findet. Dies ergebefür ganz Europa 2,115000 Personen.
Mag man diesen Berechnungen und Ziffern auch nur sehr geringen Werthbeilegen, so ergiebt sich doch jedenfalls eine Thatsache daraus, nämlich dassder Bodenanbau im grössten Theile von Europa, — bei räumlicher Ausdehnung undbesserer technischer Ausbildung, — eine grosse Zahl von Menschen (vielleicht 40—43Millionen) mehr als bisher beschäftigen könnte. Dies wird zunächst vorzugsweisedurch neue Kulturen, dann auch durch verbesserte Bewirthschaftung geschehen.
Oben Seite 18 ist im Einzelnen nachgewiesen, dass die Bevölkerung vonEuropa 266,543000 Köpfe beträgt. Davon befinden sich im Kindesalter (biszum vollendeten 14. Jahre) 33 % oder etwa 88Va Millionen; im Greisenalter(über 60 Jahre) etwa 7 % oder 18,650000; in Beschäftigungen, welche nichtfür die leiblichen Bedürfnisse der Menschen sorgen, ^Militair im Dienst, Geist-lichkeit, Beamtenstand, Rentenire u. dgl.) etwa 2 % oder 5,330000 Köpfe; —nach deren Absatz, für die eigentliche körperliche Arbeit ungefähr 154,000000Personen bleiben, wovon die Hälfte weiblichen Geschlechts. Man wird (fürganz Europa) nicht weit von der Wirklichkeit sich entfernen, wenn man davon70 % den sämmtlichen Arbeiten des Bodenbaues zurechnet und dannkönnte man eine Bestätigung finden der annähernden Richtigkeit der oben alsBe darfssumme angegebenen Ziffer(107,550000 und für den Waldbau2,115000);in deren Uebereinstimmung mit der Ziffer dieser Arbeiter. —