Gesetzgebung über die Grenzabgaben.
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erduldet, sind von einer Stufe der Absperrung zur Andern geschritten, und nundahin gelangt, in dem Binnenhandel Ersatz suchen zu müssen für den ge-brochenen auswärtigen Verkehr. Allein auch der Binnenverkehr kränkelt ohneäussere Zu- und Abflüsse, und die ganze Ernte der A bsperrungs masregelnsind: Verarmung, Zollkriege, Handelskrisen und Theuerung fast aller Erzeugnissegewesen. Nur der unvermeidliche Schmuggel bandet hat bewirkt, dass der Ver-kehr unter der Last des Abspcrrungssystems nicht erlegen ist; seine Ausbildungund Macht hat mit der Prohibition gleichen Schritt gehalten. Und doch herrschtnoch immer eine Vorliebe für Ausschliessung und hohe Grenzzölle im Rathevieler Regierungen; eine Vorliebe, die nur durch finanzielle Rücksichten, oderdurch das Blendwerk der gefährdeten Volksinteressen, oder durch den ungehö-rigen Einfluss mächtiger Sonderinteressen — zu erklären ist. — Bei der innernOrganisation des Gr e n z-Z o 11 w e s e ns und namentlich bei den Tarif-bestimmungen werden einzelne Grundsätze fast durchgängig befolgt. Dahin ge-hören: die Erschwerung der Ausfuhr von Rohstoffen, entweder um derenweitere Bearbeitung zu begünstigen (Wolle, Haare, Flachs, Gold und Silber u. s. w.),oder um einem Mangel vorzubeugen (Getreide, Vieh); — die Erschwerung derEinfuhr von Rohstoffen, um die inländischen Produzenten zu begünstigen(wichtigstes Beispiel die Getreide-Einfuhrzölle);—die Erschwerung der Ein-fuhr von Fabrikaten, zur Begünstigung der inländischen Fabrikation; — die Be-vorzugung der eigenen Unterthanen bei der Einfuhr durch Differenzialzölle;— die Bevorzugung inländischer Industriezweige durch ermäsigte Zölleauf die ihnen nöthigen Rohstoffe (allgemein bei den Zuckerraffinerien); —die Begünstigung der inländischen Fabrikation durch Ausfuhrprämien, Rück-zölle;— die Beförderung des Zwischenhandels durch Zollerstattung, unver-steuerte Niederlagen u. s. w. — Masstab der Verzollung ist entweder Stück-zahl, Gewicht und Gemäs, oder der Werth. Die Versteuerung nach Prozentendes Werths ist an und für sich die richtigste, wird jedoch seltener angew'endet,weil die richtige W e r t h ermittelung eigentlüimliche Schwierigkeiten hat, auchden Geschäftsbetrieb verzögert. Dessenungeachtet wäre höchst wünschenswerth,dass die Einfuhrabgaben von Fabrikaten vorzugsweise nach dem Wertheerhoben würden, weil das entgegengesetzte System z. B. Oesterreichs und desDeutschen Zollvereins dahin namentlich geführt hat, dass Waaren des allgemein-sten Gebrauchs der unbemittelten Volksklassen zu hoch, und feinere Fabrikatederselben Benennung verhältnissmässig zu gering besteuert sind; ferner dass da-durch der Verkehr mit einzelnen fremden Staaten indirekt begünstigt wird;dass die Beobachtung des Ganges des Handels bei den einzelnen Artikeln da-durch sehr erschwert wird u. s. w. — Zur Beurtheilung der Bewegung des Han-dels im Ganzen wie im Einzelnen, und zur Erforschung der Wirkungen der ein-zelnen Tarifsätze, dienen die Zoll-Listen, d. h. die Verzeichnisse ein- undausgeführter Waaren und der davon erhobenen Abgaben. Sie sind das einzigeHülfsmittel bei diesem wichtigen Geschäfte, und es ist deshalb um so mehr zu