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Handels-Erwerb.
tigung ist, deshalb soll allein die Landwirtschaft begünstigt und folge weise fürStaatszwecke belastet werden. — c. Das (von Adam Smith begründete) Indu-striesystem findet die Vermögen erzeugende Kraft nur in der Arbeit, undleitet hieraus die entscheidendsten Folgerungen gegen die Haltbarkeit jener an-dern Systeme ab. Die jährliche Arbeit eines Volks ist (nach diesem Systeme)die Urquelle seiner Reichthümer, d. h. derjenigen Gegenstände, welche dasselbeselbst unmittelbar verwendet oder wofür es fremde Erzeugnisse eintauscht; derTauschwerth der Sachen bestimmt mithin die Grösse des Reichthums. Dielichtvollen Lehren dieses Systems haben vorzugsweise dahin gewirkt, den Schleyerzu lüften, welcher über den Verhältnissen der Güterwelt ruhte und der durchdie andern Systeme noch dichter gezogen war. Der wissenschaftlichen Ausbeu-tung dieses Systems verdankt man namentlich die genaue Darlegung der selt-samen Verzweigungen des Verkehrs, die richtige Ermittelung seiner Verhältnisseund der Wechselwirkung, welche zwischen demselben und den übrigen Zweigenmenschlicher Beschäftigung nach unveränderlichen Naturgesetzen besteht. AdamSmith war der Lehrer der Handelsfreiheit, er hält eine Beschützung deseinheimischen Gewerbfleisses durch Verbote oder Grenzzölle nur dann fürzweckmäsig, wenn ein Gewerbzweig für die Vertheidigung des Landes er-forderlich, oder ein Einfuhrzoll zur Herstellung der Gleichheit (wenn ein Pro-dukt einer innern Besteuerung unterliegt) nöthig ist. Nun lässt sich aber nichtin Abrede stellen, dass die Handelsfreiheit ein wirth sch aftli c h e s Ideal ist,dessen Ausführung nur dann ohne Nachtheil geschehen kann, wenn gewisseim Zustande der Volkswirthschaft eines Landes liegende Bedingungen vorhan-den sind. Die Erfüllung dieser Bedingungen liegt nur zu sehr geringem Theilein der Hand der Regierung, weil sie es nicht in ihrer Macht hat, die Art undRichtung der Theilnahme der einzelnen Staatsangehörigen an der Güterer-zeugung zu leiten, und weil selbst die mögliche Einwirkung von nachtheiligemEinflüsse seyn kann. Der Umstand, dass jene Bedingungen häufig noch nichtvorhanden schienen, ferner dass man Bedenken trug, einen bisher verfolgtenWeg gänzlich zu verlassen, sodann dass örtliche und zeitliche Verhältnisse, so-wie der individuelle Standpunkt des Beurtheilers entscheidenden Einfluss auf dieAnsichtsbildung haben; — diese und ähnliche Verhältnisse haben bewirkt, dassman über die allgemeine Anwendbarkeit des Systems des freien Handels wederin der Theorie einig geworden ist, noch auch dasselbe praktisch gemacht hat.Die Mehrzahl der Theoretiker ging in der Billigung der Schutzzölle weiterals Smith; Einzelne kehrten sogar zum Merkantilsysteme zurück, und fandenihre Anhänger, weil sie Sonderinteressen schmeicheln. Die Staaten haben nursehr wenig von Smiths Systeme angenommen. Manche Regierungen sind sogarrückwärts geschritten, und dies ist bei Einzelnen in solchem Grade geschehen,dass ihre ganze Verkehrspolitik sich in Einfuhr- und Ausfuhr-Verbote aufgelösthat, in deren Gefolge stets Noth und Ueberfüllung sich befinden. Sie haben alleSchlangenwindungen der Verträge erschöpft, haben alle Repressalien der Tarife