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Deutschland und das uebrige Europa : Handbuch der Bodens-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik; des Staatshaushalts und der Streitmacht / in vergleichender Darstellung vom Dr. Freih. Fr.W. v. Reden
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Königstaat Spanien.

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In Folge des Ablebens der Königin ist ira März 1854 eine neue Zivil-liste festgestellt, deren Geldbetrag ich jedoch noch nicht kenne.Nach einerBekanntmachung der Portugisischen Agenten in London, waren bis Januar 1854:5,130000 Lst. der Schuld umgewandelt (in 3 %ige neue Papiere), was alsonoch 4,570000 Lst. bevorstand. Eine neue Anleihe ist, namentlich zum Stras-senbau in den Nordprovinzen beabsichtigt. lieber das Heer ist Hirten-feld a. a. 0. S. 262 zu vergleichen.

12. Königstaat Spanien.

Die ,, Presupuesfos von denen einige im Originalabdruek mir vorliegen,sind sehr umfangreich, und enthalten eine Mengeschätzbares Material; wasjedoch gewöhnlich nur die gute Absicht darstellt. Denn seit mehreren Jahrensind die Kortes nicht so weit gediehen, die Voranschläge zu genehmigen, oderdiese Anschläge sind nicht inne gehalten, und so scheint es im Wesentlichen, auch zu bleiben, trotz der alle Paar Monate versuchten Aufstände. Die durcheinen gelungenen Aufstand an die Verwaltung gelangten Machthaber, sind näm-lich in dieser Hinsicht ihren Vorgängern stets ähnlich, und die Ausbeutung desStaatssäckels für Privatinteressen ist keine Schande mehr, wenn sie gehörigbemäntelt geschieht; bringt auch selten Gefahr, wenn sie im Grossen getriebenwird. Dessenungeachtet ist die finanzielle Lage Spaniens keinesweges be-denklich, weil das Land sehr grosse Hiilfsquellen in seinen Natur gaben be-sitzt. Diese hat, selbst eine mangelhafte Verwaltung so wenig zu unterdrückenvermocht, dass in der neuesten Zeit manche Erwerbszweige sogar einen bedeu-tenden Aufschwung nahmen. Zweckmässige Verbesserungen des Zollsystemshaben daneben zur Entwickelung des Verkehrs beigetragen, und alle Dieses eineVermehrung der Staatseinnahmen bewirkt. Diese betrugen im Jahre 1853:1312,927718 Realen, mithin 8,829350 Realen mehr als der Voranschlag, und24,072000 Realen mehr als die Einnahme von 1852. Bei der dortigen heillosenStaatshaushalts-Wirthschaft, ist dieses aber nur ein Tropfen, und man hat des-halb zu den eigenthümlichsten Hülfsmitteln gegriffen. Zunächst musste die Bankherleihen, und als diese schwierig wurde, setzte das Ministerium eigenmächtigdie Direktoren ab (April 1854). Ferner wurde die Versteigerung der in der Bankbefindlichen Obligationen der Käufer geistlicher Güter (Mai 1854) beschlossen;zum Werthe von ungefähr 100,000000 Realen. Auch eine kleine Anleihe von22,000000 Realen machte man (April 1854), gegen Verpfändung der Einkünfteder Philippinen. Ein Dekret vom 20. Mai 1854 endlich verfügte die Ausgabevon 180,000000 Realen 6 %iger Schatzscheine, welche zwangsweise vertheiltwerden sollen, und vom 30. Juni 1855 an in kleinen Raten zu Steuerzahlungenbenutzt werden können. Die schwebende Schuld wurde im Januar1854 zu 329,000000 Realen angegeben.

Das Spanische Heer bestand nach der Revista militar vom Februar 1854aus 603 Mann Königingarde, 65079 Mann Infanterie, 1586 Mann Infanterie-Reserve, 9524 Mann Artillerie, 1080 Mann Genie, 10949 Mann Kavallerie,