24 Geschichte der alten Welt-
wegen auch die Geringschätzung des Äußeren und die Unterdrückungder Begierden und Leidenschaften, und erklärte den daraus hervor-gehenden Seelenfrieden für das höchste Gut. Seine Nachfolgerhaben sich mit dieser Lehre nach und nach in ein Gewirre des ärg-sten Aberglaubens verirrt, und die Religion der Tao-tse ist jetztein Gemisch v.on Glauben an Zaubereien und Vorbedeutungen undvon den wunderlichsten Ideen und Bestrebungen, wie z. B. derje-nigen, einen Trank der Unsterblichkeit oder den Stein der Weisenaufzufinden.
Die am allgemeinsten verbreitete Religion ist die des Fo,welche nichts Anderes ist als die in Indien entstandene und in Chinaumgeänderte Lehre des Buddha, den die Chinesen Fo nennen,und der vielleicht ein Zeitgenosse des Lao-tse war. Sie kam imJahre 58 unserer Zeitrechnung nach China, erhielt aber dort erstim Jahr 265 eine allgemeinere Verbreitung. Diese Religion, derenPriester Bonzen heißen, ist also eine Abart des bei den Mongo-len, den hinterindischen Völkern und den Tübetauern herrschendenund ebenfalls durch Aberglauben sehr entstellten Buddhaismus, denman in Europa oft auch den Lamaismus nennt, und von wel-chem in dem nachfolgenden Abschnitt über die Jndier das Nähereangegeben werden wird. Sie ist in ihrer jetzigen Gestalt eine Re-ligion des Truges, vermittelst deren eine Menge Priester, Möncheund Nonnen, die angeblich mit den Göttern in der nächsten Berühr-ung stehen, auf Kosten des Volks in träger Ruhe leben, und welchestatt einer eigentlichen Moral abergläubische Gebräuche und Ge-horsam gegen die Priesterschaft predigt.