Band 
Erster Band.
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Geschichte der alten Welt.

den Göttern selbst angeordnete dar. Auf diese Weise entstand die vor-nehmste der indischen Kasten oder die Priesterkaste, deren Glieder denNamen Bramanen oder Braminen sichren. Dieselbe räumtenachher, um sich auch durch äußere Gewalt ihre Stellung zu sichern,den wohlhabenderen und kriegerischeren Familien des Volks gewisseVorrechte vor den übrigen ein, indem sie dieselben als zwei besondereKasten über diese stellte. So entstanden schon früh vier Kasten oderAbtheilungen des indischen Volks, nämlich die Pricsterkaste, dieK'rie-gerkaste und die Kaste der Ackerbau und Handel Treibenden, welchezusammen die drei höheren und gleichsam edleren Kasten bildeten,und endlich die große Gesammtheit aller anderen Jndier, aus denendie zum Gehorsam gegen jene verpflichtete vierte Kaste bestand.

Das Kasten-Wesen der Jndier ist auf diese Weise von Anfangan enge mit der Religion derselben verknüpft worden. Diese warursprünglich ein einfacher Gottesdienst, welcher in der Verehrungder unsichtbaren, in der Natur waltenden göttlichen Kraft bestand;sie ist aber durch die Entwickelung der Priesterherrschaft und desKasten-Wesens nach und nach immer mehr entartet, und so end-lich in jenen argen Götzendienst übergegangen, der noch setzt inIndien besteht, und in welchem nur der gebildetere Theil der Nationdie ihm ursprünglich zu Grunde liegenden reineren Vorstellungenzu erkennen vermag. Man nennt diesen Glauben, zum Unterschiedder Secten, welche aus ihm hervorgegangen sind, die bramanischeReligion. Die eine dieser Secten entstand schon in den früheren,dunkeln Zeiten der indischen Geschichte. Etwa 500 bis 600 Jahrevor Christi Geburt nämlich trat in Indien ein Reformator auf,welcher Gautama hieß, gewöhnlich aber unter dem NamenBuddha angeführt wird, und stiftete diejenige Religion, die manden Buddhaismus nennt. Dieser Mann erhob sich nicht alleingegen den Götzendienst, zu welchem die bramanische Religion ent-artet war, sondern er predigte auch die Gleichheit aller Menschen,und suchte die Kasten-Einrichtung für immer aufzuheben. Erfandgroßen Anhang, und seine Lehre wurde einige hundert Jahre nachihm sogar von mehreren Beherrschern Indiens angenommen. Siebestand hierauf noch lange Zeit neben der bramanischen Religionin vielen Gegenden des Landes, gerieth aber mit dieser in denheftigsten Kampf, welchem sie zuletzt erlag. Sie wurde, zu einer