Band 
Erster Band.
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Orientalische Volker. Jndier. 29

uns unbekannten Zeit nach Christi Geburt, durch blutige Verfolgungin Indien ganz und gar ausgerottet, breitete sich aber in einigenbenachbarten Ländern aus, und besteht bis zur gegenwärtigen Stundenoch auf der Insel Ceylon, in Hinterindien, in Tübet, in Chinaund bei den Mongolen. Doch ist sie ebenfalls schon längst zumärgsten Götzendienst ausgeartet, und hat ihre Bekenner, obgleich dasKasten-Wesen bei ihnen nicht wiederhergestellt ward, doch vonneuem der Herrschaft müßiger Priester unterworfen.

Von der sicheren Geschichte der Jndier sind, soweit dieselbe demAlterthum angehört, folgende Punkte die bemcrkenswerthesten.Alexander der Große begann im Jahre 327 vor Chr. seinenEroberungszug nach Indien, dessen westlicher Theil damals ausmehreren Staaten bestand, von deren Beherrschern Porus undTariles die wichtigsten waren. Er drang durch die Gegendender heutigen Städte Kabul und Peschauer in Indien ein, gelangteaber, da sein Heer sich dem weiteren Marsche widersetzte, nur bisin die Nähe der Ostgrenze des heutigen Landes Pendschab. Erunterwarf sich das westliche Indien, und setzte, als er im Jahr 325es wieder verließ, mehrere Fürsten ein, um die einzelne» Theiledesselben in seinem Namen zu beherrschen. Nach seinem wenigeJahre darauf erfolgten Tode warf sich ein Jndier, den die Grie-chen Saudrvkottus nennen, zum Beherrscher des westlichen In-diens auf, und es gelang demselben, auch die östlichen Gegendenoder das große Land um den Ganges-Fluß mit seinem Reiche zuvereinigen. Ihn griff alsbald Scleukus I. an, welcher Syrien undden ganzen von da bis nach Indien sich erstreckenden Länderraumbeherrschte. Selcukus drang siegreich bis zum mittleren Laufe desGanges - Flusses vor, und Sandrvkottus mußte ihn als seinen Ober-herrn anerkennen. Die Nachkommen des Sandrokottus herrschtenbis in das zweite Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung über In-dien, und ein Enkel desselben ist es gewesen, welcher, zum Buddhais-mus übertretend, diesen Glauben zuerst zur Staatsreligion er-hob. Anfangs waren diese Beherrscher von Indien Vasallen dersyrischen Krone; später machten sie sich zwar unabhängig, wurdenaber bald darauf durch den syrischen König Antiochus III., der einenKriegszug nach Indien unternahm, von neuem unterworfen. KurzeZeit nachher gerieth das westliche Indien auf längere Zeit in Ab-