Band 
Erster Band.
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Geschichte der alten Welt.

dieser Lehre drei Hauptgottheiten, welche unter dem Namen Tri-murti d. i. Dreigestaltigkeit zusammengefaßt werden: diese sindBrama oder der Schöpfer, Wischnu oder der Erhalter undSiwas oder der Zerstörer, und von ihnen ist es Wischnu, wel-cher von Zeit zu Zeit verkörpert auf die Erde kommt, um die auf-gelöste Ordnung derselben wiederherzustellen. In einer dieser Ver-körperungen oder Inkarnationen führte Wischnu den Namen Krisch n a,und deshalb wird er häufig auch unter diesem Namen verehrt.Außer den drei Hauptgöttern erkennt die bramanische Religion nocheine Unzahl von Göttern und Göttinnen höherer und niederer Artan, sowie Millionen von himmlischen Dienern und Dienerinnenderselben. Auch manche Thiere und Pflanzen, vor allen andernaber die Kuh, werden für heilig gehalten und verehrt.

Ueber die Entstehung der Erde und ihre früheren Veränder-ungen, sowie über das Leben der Götter und ihre Verhältnisse untereinander hat man eine Menge Erzählungen von zum Theil unsinn-igem Inhalt. Von der Menschheit lehrt die bramanische Religion,daß von Brama ursprünglich nur eine geistige Welt und geistigeWesen geschaffen worden wären, daß aber viele der Letzteren vonder Gottheit abfielen, und daß nun die sichtbare Welt geschaffenworden sei, um jene in sie zu bannen und ihnen so Gelegenheitzu geben, sich durch eigene Kraft wieder zu heben. Je nach demGrade, in welchem dies jedem Wesen der Körperwelt gelingt,kommt dasselbe nach seinem Tode in einen edleren Körper. Solehrt also der Bramanismus die Seelenwandcrung, und erklärtdas Leben auf dieser Welt für eine Strafe und eine Zeit der Prü-fung. Alle diese und die übrigen Lehren der Brama-Religion sindin Bilder und Mythen gehüllt, und gelangen nur unverständlichzu dem Ohr und Gemüth des Volkes. Die Mittel, um sich zudem Göttlichen immer mehr zu erheben, bestehen nach jener Reli-gion in Beten, Opfern und Büßungen, in Reinigungen, fürwelche das Wasser des Ganges-FlusseS als das heiligste angesehenwird, ferner in Pilgerungen, besonders zu den Quellen des Gan-ges, und endlich in Werken der Wohlthätigkeit gegen Menschenund Thiere. Der Gottesdienst selbst ist sehr glänzend und ausmaunichfaltigen Gebräuchen zusammengesetzt, die zum Theil dassittliche Gefühl jedes echt religiösen Menschen auf das tiefste