Orientalische Völker. Jndier. 3t
gion der Chinesen, übermäßig reich ist an Bildern, an Mythen undan den mannichfaltigsten Vorstellungen von der Gottheit und ihremVerhältnisse zur Menschheit. Dagegm haben die Jndier den einenCharakterzug mit den Chinesen gemein, daß auch sie schon längstder fortschreitenden Entwickelung ermangeln, daß auch ihr Wesenund Leben ein feststehendes, sich gleichbleibendes ist, das der Haupt-sache nach schon vor zweitausend Jahren und vielleicht noch früherebenso beschaffen war, als wir es jetzt finden.
Das geistige Leben dieses Volkes besteht aus einer ewigen Ver-mischung von religiösen Empfindungen, philosophischen Vorstellungenund poetischen Anschauungen, indem diese drei Regungen und Be-ziehungen des Inneren bei den Jndiern nie einzeln walten, sondernstets in einander eingreifen. Dagegen ist dem schlichten Verstandund der Erfahrung, diesen beiden Tribunalen des echten geistigenLebens, bei den Jndiern nie eine Entscheidung gestattet. Wegendieser Eigenthümlichkeit des inneren Lebens besitzen die Jndier, beialler ihrer religiösen Begeisterung und Schwärmerei, bei allerMannichfaltigkeit ihrer philosophischen Vorstellungen und bei alleinihrem Reichthum an poetischen Gebilden, weder eine wahre Religion,noch eine gesunde Ansicht der Dinge, noch eine echte Poesie.
Die Religion der Jndier hat sich im Laufe der Zeit in vierHaupt-Secten umgestaltet, nämlich in den Branianismus, den Buddha-ismus, die Secte der Dschaina's und die der Sick's. Die Letzte,welche erst vor wenigen Jahrhunderten entstanden ist, und die Vor-letzte, die zur Zeit der Ausrottung des Buddhaismus in Indienaufgekommen zu sein scheint, gehören nicht der älteren, sondernder neueren Geschichte Indiens an. Der Buddhaismus ist ausdem Bramanismus hervorgegangen, der Branianismus aber isteine Entartung desjenigen Glaubens, der in den ältesten Zei-ten über Indien verbreitet war, und in einer Verehrung der inder Natur waltenden Äräfte bestand. Die brumänische Reli-gion lehrt, daß die Welt von der Gottheit erschaffen worden sei,und daß diese eine Ordnung eingesetzt habe, nach welcher die Weltvon selbst ihren Gang geht, die aber von Zeit zu Zeit in Ver-wirrung und Stockung geräth; dann erscheint nach der bramanischen^ehre jedes Mal die Gottheit in Gestalt eines Menschen oder einesThiers, um jene Ordnung wiederherzustellen. Es gibt ferner nach