Band 
Erster Band.
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Orientalische Völker. Jndicr.

wahrer Gegensatz gegen die vollendete Kunst, die im Abendlandedurch die Griechen geschaffen ward. Sie werden von einem eng-lischen Künstler, der sie alle kennen gelernt hat, in dieser Beziehungmir den rohen Kunst-Versuchen der Südsee-Jnsulaner in Eine Reihegestellt. Dagegen sagt er, daß der mechanische Theil der Arbeitan ihnen oft ganz vortrefflich sei. Übrigens zeichnen sich diese Werkenamentlich durch das Vorherrschen des Kolossalen aus, sowie durchwidernatürliche Zusammensetzungen von thierischen und menschlichenKörperformen, durch die ebenso häßliche Vervielfältigung einzelnerGlieder des Körpers und durch die Häufung von bezeichnendenAttributen der dargestellten Götter.

Da in Indien die sinnst stets im Dienste der Religion undvon den Priestern abhängig blieb, so war der frei schaffenden Phan-tasie des Künstlers kein Spielraum gewährt. Deshalb blieb sichdenn der Charakter der indischen Kunst in den verschiedenen Zeitennahe gleich, und zwar so sehr, daß es schwer ist, die Werke derverschiedenen Jahrhunderte von einander zu unterscheiden. Esfehlte der indischen Knnst eine eigentliche Entwickelung, und dieJndicr können, im Vergleich mit den Völkern des Abendlands, sichnur eines frühen Anfangs, nicht aber einer erheblichen Vervoll-kommnung derselben rühmen.

Eben dieselbe frühe Ausbildung, verbunden mit dem gleichenVerschmähen der Vervollkommnung, zeigt sich in den Gewerbender Jndicr. Neben dem Ackerbau, der in Indien von allen äußerenBeschäftigungen stets am meisten geachtet wurde, hatte dieses Volkschon in den ältesten Zeiten eine bedeutende Industrie. Die Indierbesitzen eine große angeborene Gewandtheit und Geschicklichkeit fürHandarbeiten, die schon bei Alerander's Eroberungszug die Griechenin Staunen setzte; sie sind von Natur zu mechanischen und sitzendenBeschäftigungen geneigt; ihr Land bedarf keiner fremden Produete,außer etwa der Seide, hat aber eine Menge Naturerzeugnisse,welche seit alter Zeit von andern Völkern eifrig gesucht wurden; undendlich war, trotz aller ihrer Abneigung gegen Fremde, doch derVerkehr mit andern Völkern bei ihnen nie, wie bei den Chinesen,verboten, sondern es wurde vielmehr stets von einem besonderenund geachteten Theile der Nation Handel mit dem Ausland ge-trieben. Aus diesen Umständen und Verhältnissen erklärt sich der