Orientalische Völker. Egypter. KZ
Innere des Gcbirgs verbreiten, und zur Aufbewahrung der Todtendienten. Die merkwürdigsten dieser zahlreichen Felsengräber sinddie sogenannten Königsgräber von Theben, welche namentlichin dem den Namen Biban el Moluk führenden Thale jenes Gebirgssich befinden. Sie dienten wirklich zu Grabstätten der königlichenLeichen, und zeichnen sich durch ihre Pracht und Größe aus; siesind aber schon seit sehr langer Zeit ein Gegenstand der Zerstörungund Plünderung der späteren Bewohner Egyptens gewesen.
Von Theben abwärts gelangt man zu den Ruinen der StadtTentyra, welche in neuester Zeit besonders wegen des im Inne-ren eines Tempels derselben abgebildeten Thierkreises berühmt ge-worden sind. Dieser Thierkreis, der sich jetzt in Paris befindet, istaber kein Werk der alten Egypter, sondern rührt, wie der Tempelselbst, aus der Zeit der römischen Herrschaft her.
In Mittel-Egypten ist zuerst die große, runde Ebene zubemerken, welche in dem Gebirge der Westseite des Landes ringsumvon Bergen und Wüsten eingeschlossen liegt, und im Alterthumnach ihrer Hauptstadt Arsinoe benannt wurde, in neuerer Zeitaber cl Fayum heißt. Diese höchst fruchtbare Ebene hängt durcheine Schlucht, die den einzigen natürlichen Zugang zu ihr bildet,mit dem Nil-Thal zusammen. Ein großer Kanal, den man denJoseph-Kanal zu nennen Pflegt, setzt die Ebene mit dem Nilin Verbindung, und befruchtet dieselbe durch dessen Wasser. Erendigt in den sogenannten See Möris, der in sehr alter Zeitunter einem gleichnamigen König durch Menschenhand geschaffenworden sein soll, gewiß aber ein natürliches Wasser-Bassin ist,und unter diesem König nur erweitert wurde. Der See Mörishatte einst einen Umfang von mehr als 24 deutschen Meilen,und aus seiner Mitte erhoben sich damals zwei hohe Pyrami-den. Er regelte sowohl bei zu geringem wie bei zu großemAnschwellen des Nils die Überschwemmung, und sicherte dadurch dieFruchtbarkeit des Bodens nicht allein in der Ebene von Fayum,sondern auch in einem Theil von Mittel-Egypten. An der Seitejener Ebene, einige Stunden südöstlich von der Stadt Medina elFayum, befinden sich gewaltige Schutt- und Steinmassen, welcheman für die Überreste des berühmten Labyrinths hält. Dieseswar nach den Beschreibungen der alten Griechen das größte Ge-