Band 
Erster Band.
Seite
62
JPEG-Download
 

tz2 Geschichte der alten Welt.

Karnak enthielt förmliche Alleen von kolossalen Sphinr-Statuen, undzwar in so großer Zahl, daß eine dieser Alleen aus nicht wenigerals 600 solchen Kolossen bestand. In sener Gegend sind auch dieRuinen des Palastes von Karnak, dessen Hanptsaal 318 Fnßlang und 159 Fnß breit ist, und 134 Säulen enthält, von welchendie dicksten 11 Fnß Durchmesser, die Kapitäle derselben aber 64 Fußim Umfang haben, so daß auf der eine jede bedeckenden Platte100 Menschen bequem beisammen stehen können. Auf der linkenSeite des Flusses liegen die gleichfalls höchst großartigen Tempcl-und Palast-Ruinen von Mcdinct-Abu, sowie andere Tempel-Trümmer, welche, wie zuweilen die ganze westliche Seite der StadtTheben, das Memnonium heißen. Dort stehen auch zwei be-rühmte, 61 Fnß hohe Statuen eines Königs, deren jede aus einemeinzigen Steine besteht. Sie heißen die Memnvn-Säulen, underhielten diesen Namen aus dem Grunde, weil die alten Griechensie für Darstellungen des in ihrer Mythologie vorkommenden Hel-den Memnon, eines Sohnes der Aurora, hielten. Die eine der-selben war bei den Griechen und Römern besonders dadurch berühmt,weil, wie man allgemein glaubte, sie jeden Morgen bei Sonnen-aufgang harmonische Töne von sich gab. Diese Töne, mit denen,wie man sagte, Memnon seine Mutter begrüßte, mochten vielleichtvon losen Blättchen und Körnern des Granits der Statue her-rühren, welche durch die von der aufgehenden Sonne erwärmteLuft in Bewegung gebracht wurden. Auf der linken Seite desFlusses befinden sich auch die Überreste einer doppelten aus steiner-nen Sphinren bestehenden Allee, sowie die großartigen Ruinen vomGrabe des Königs Osymandyas und die Trümmer einer Statuedieses Königs, welche von der einen Schulter bis zur andern 21 Fußbreit ist, und an der sich als Aufschrift die Worte befunden habensollen: „Ich bin Osymandyas, der König der Könige; wer wissenwill, wie groß iijz war, und wo ich ruhe, der übertreffe mich ineinem meiner Werke!" Endlich sind noch die Überreste der unter-irdischen Bauwerke von Theben anzuführen oder die berühmtenFelsengräber dieser Stadt. In dem Gebirge der Westseite vonTheben nämlich sind, einige Stunden weit, von Strecke zu Streckedie Felsen in größere und kleinere Räume ausgehalten, welche, zumTheil mit einander durch Gänge verbunden, sich weithin in das