Band 
Erster Band.
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Orientalisch eVölker. Egypter. 7A

haben sollen. Das Haupt der Kaste war der Oberpriester, nächstdem König die angesehenste Person im Lande. Es gab verschiedeneKollegien von Priestern, und die vornehmsten derselben waren dievon Theben, Memphiö und Heliopolis, aus welchen auch stets diehöchsten Richter des Landes genommen werden mußten. Die Mit-glieder der Priestcrkaste zerfielen in viele Abtheilungen von vornehme-rer und geringerer Art, welche nach den Gottheiten, in derenDienst die einzelnen Mitglieder standen, und nach den besonderenBeschäftigungen derselben sich von einander unterschieden. Außerdemgab es aber auch für die geheimen Neligionölehren viele Stufender Erkenntniß, welche jeder Priester nur nach einander bcschreitendurfte, und nach denen deshalb ebenfalls eine Verschiedenheit desAnsehens unter den Mitgliedern der Priesterkaste bestand. Zu derhöchsten Stufe der Erkenntniß gelangten immer nur Wenige. Indiese Religionsgeheimnisse wurde stets auch der König bei seiner Thron-besteigung eingeweiht. Außer ihm ward niemand aus einer andern Kastemit denselben bekannt gemacht; nur in der späteren Zeit kamenAusnahmen vor, aber auch dann ließ man einen Laien blos zu denunteren Graden zu. Übrigens gab es, was früher zweifelhaft war,durch neuere Forschungen aber zur Gewißheit erhoben ist, auchPriesterinnen, und. diese wurden aus der Priesterkaste oder ausder königlichen Familie genommen. Die Priester der einzelnenGottheiten hatten in den Tcmpelgebäuden ihre Wohnung, undwaren insgesammt manchen Pflichten unterworfen, welche nur fürdie Mitglieder ihrer Kaste vorgeschrieben waren. So war z. B.Reinlichkeit ihre wichtigste äußere Tugend, und sie durften deshalbkeine wollenen Stoffe tragen, und mußten durch häufiges Rast'renalle Haare von ihrem Körper entfernen, weswegen denn auch diePriester auf den egpptischen bildlichen Darstellungen stets an ihrem'nackten Scheitel und Gesicht zu erkennen sind.

Die Kriegerkastc war dem Range nach der erste Standnach den Priestern. Sie hatte in Egppten ein größeres Ansehen,als sonst der Kriegerstand in Priesterstaatcn zu haben pflegte, weilEgppten, als ein reiches und von armen Landstrichen und uncivi-l'sirten Völkern umgebenes Land, beständigen Raubangriffen aus-gesetzt war. Die Kriegerkaste war nur von dem König abhängig,und gab dadurch diesem eine Macht in die Hand, ohne welche der-