Orientalische Völker. Egypter. 81
am meisten geachtete Gewerbe trieben, bis zu den Hirten, derenGeschäft für das niedrigste von allen galt, und unter denen dieSchweinehirten am meisten verachtet waren. — Man hatte anchSklaven, und zwar sowohl weiße als schwarze; und nicht nurdie Kriegsgefangenen geriethen in Sklaverei, sondern es wurde,wie die Geschichte Joscph's zeigt, auch eigentlicher Sklavenhandelgetrieben. Unterworfene Völker wurden meistens als Leibeigenedes Staats angesehen, und häufig im Dienste desselben als Ar-beiter beschäftigt.
Die Kasten-Einrichtung wurzelte im egyptischen Volke sofest, und war mit den Ansichten und Gewohnheiten desselben soinnig verschmolzen, daß sie sich auch nach dein Untergang derSelbstständigkcit Egpptens noch Jahrhunderte lang erhielt. Hattesie sich ja doch schon vorher, ungeachtet der öfteren Zwiste zwischenden beiden oberen Kasten und dem König, beständig erhalten! Ein-mal namentlich war es in früherer Zeit sogar zu einem blutigenKampfe zwischen den Kriegern und den Priestern gekommen, weildie Letzteren sich die weltliche Herrschaft angemaßt hatte»; und un-ter Psammetich wanderte ein großer Theil der Kriegerkaste aus,weil dieser König seine Herrschaft auf fremde Truppen stützte.
An der Spitze des Staats stand ein König, welcher derKriegerkaste angehörte, bei seiner Thronbesteigung aber in diePriesterkaste aufgenommen wurde. Er war das Oberhaupt zugleichdes Staats und der Religion; denn Beides war in Egypten nievon einander getrennt. Der Thron war erblich, und der Könighatte dem Anschein nach eine unumschränkte Gewalt; allein da erstets von Priestern als seinen höchsten Beamten umgeben war, undda die Sitten, Gewohnheiten und alten Gesetze des Landes vondem gcsanunten Volk als heilige, durch das Gebot der Götter be-stehende Einrichtungen angesehen wurden, so war der Willen desHerrschers sehr gebunden. Ja, ein Theil jener alten Gesetze er-streckte sich sogar auf das Privatleben des Königs: seine Beschäftig-ungen wie seine Vergnügungen waren durch dieselben für jedenTag und jede Stunde vorgeschrieben; nicht einmal di? täglicheSpeise hing von seiner Wahl ab, und der Wein, welcher im altenEgppten gern und von jedermann getrunken wurde, war dem Kö-nig entweder ganz verboten oder doch nur in geringem Maße er-
Echloffe^S Wkltgesch. f. t. d. D. l. K