Band 
Erster Band.
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82 Geschichte der alte» Welt.

laubt. Die königliche Gewalt war also in Wirklichkeit sehr be-schränkt. Allein in Folge anderer eigenchümlicher Verhältnisse desLandes konnte ein kräftiger Regent sich leicht eine größere undselbstständigere Macht verschaffen. Die Kriegerkaste war nämlichnicht den Priestern, sondern dem König untergeben, und die Nach-barschaft roher Völker machte öfters Kriegszüge nöthig. Wenn nunein König als glücklicher Führer im Kriege die zweite Kaste ganzfür sich gewann, so konnte er, auf diese gestützt, den Einfluß unddie Macht der Priester brechen und willkürlicher herrschen. Warja doch zu Joseph's Zeit der egpptische König so wenig von derPriesterschaft und den alten Gewohnheiten des Landes abhängig,daß er einen Fremden zu seinem Minister machen konnte!

Der König wurde, wie überall im Orient, von Allen mit dergrößten Ehrerbietung behandelt, und bei seiner Thronbesteigungauf eine sehr feierliche Weise in seine Würde eingesetzt. Eine be-sondere Tracht, der Hirtenstab und der über ihn gehaltene Fächervon Straußfedern waren die Haupt-Abzeichen seiner Würde. Inden Malereien und Sculpturen, sowie auf den königlichen Bannernwurde dieselbe durch das Bild des Habichts uud der Weltkugel alle-gorisch dargestellt; dies war eigentlich das Emblem der Sonne,und sollte andeuten, daß, wie die Sonne am Himmel, so der Kö-nig auf der Erde der höchste Herrscher sei. Daher rührt auch derin der Bibel so häufig vorkommende Namen Pharao, welchereigentlich Phra lautete, und in der egyptischen Sprache so viel alsSonne bedeutete. Der königliche Palast war in der Nähe einesTempels und mit demselben verbunden. Obgleich er aus schönenund vielen Gebäuden bestand, so war er doch nicht so prachtvoll,als die für die königlichen Leichen bestimmten Wohnungen. Die. Ehre des Königs im Tode beschränkte sich übrigens nicht allein aufdie glänzende Ausschmückung seiner Leiche und seines Grabes, son-dern eö wurde auch 72 Tage lang eine Landestrauer gehalten,während welcher alle Tempel geschlossen waren, und das ganze VolkTrauerzeichen trug, Gebete verrichtete, und sich des Genusses von Fleischund Wein enthielt. Ein sehr merkwürdiger Gebrauch fand amEnde dieser Trauerzeit Statt. Die einbalsamirte Leiche des Königswurde nämlich am Eingang seines Grabmales aufgestellt. Hierhielt ein Priester vor dem versammelten Volke eine Lobrede auf