Orientalische Volker. Egypter. gl
Schrift teilweise lesen zu können. Ein unlängst aufgefundenerStein nämlich, die Inschrift von Rosette genannt, enthält drei In-schriften, deren eine griechisch ist und unter Andern die Anzeigeenthält, daß sie zugleich auch in hieroglyphischer und demotischer Schriftauf den Stein eingehalten^ sei. Obgleich nun unglücklicher Weisean der hieroglyphischcn Schrift dieses Steins der Anfang zer-trümmert war, so brachte man doch ein hieroglyphischeS Alphabetheraus, namentlich dadurch, daß man die mehrmals vorkommendenEigennamen aufsuchte, und aus ihrer Vergleichung mit einanderdie einzelnen Buchstaben ermittelte.
Was schließlich noch den Gebrauch der drei egyptischen Schrift-arten betrifft, so war die hieroglyphische nicht, wie man öftersglaubt, eine geheime, blos den Priestern bekannte Schrift, sonderndie Schriftsteller des Alterthums versichern, daß jeder Mann vonguter Erziehung sie zu lesen verstanden habe, und in den egyptischenGräbern findet sie sich auf den Geräthschaften der geringsten Hand-werker in einer solchen Weise gebraucht, daß man danach annehmenmuß, auch diese Leute hätten dieselbe verstanden. Sie wurde haupt-sächlich bei den Aufschriften öffentlicher Gebäude angewandt. Diehieratische Schrift war diejenige, deren sich die Priester beim Schrei-ben gewöhnlich bedienten. Die demotische diente hauptsächlich fürden Gebrauch des alltäglichen Lebens.
Die alten Egypter hatten zwar Wissenschaften, allein derGrad, bis zu welchem sie diese ausbildeten, war keineswegs einhoher. Sie trieben z. B. schon sehr früh Medicin, wurden aberin derselben von den Griechen weit übertreffen, und konnten auchaus dem Grunde in der Arzneiwissenschaft nie weit gelangen, weilsie weder die Chemie kannten, noch sich mit der Anatomie beschäf-tigten. Ebenso verhielt es sich mit ihrer Mathematik. Siewurden zwar durch die Nil-Überschwemmungen und den Acker-bau schon früh zur Feldmeßkunst geleitet, allein ihre Geometrieging, da sie ja nicht einmal den Pythagoreischen Lehrsatz und anderePunkte der Elementar-Geometrie kannten, nicht über die ersten An-fänge und die einfachste praktische Anwendung hinaus. Die inihrem Lande so wichtige Bewässerung wurde in allen Zeiten aufeine und dieselbe Weise getrieben. Ihre Mechanik war ebenfallsunvollkommen. Es muß uns zwar in Erstaunen setzen, daß eine