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Erster Band.
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Orientalische Völker. Egypter. 95

Auch die Werke der egyptischen Architektur erwecken nichtdurch die eigentliche Kunst Bewunderung, sondern durch das Unge-heure ihrer räumlichen Verhältnisse, durch die Größe der mechanischenArbeit und durch die technischen Fertigkeiten, die sich an ihnen zu er-kennen geben. Die öffentlichen Gebäude Egyptens, deren Trümmernoch jetzt alle Reisenden in Staunen setzen, waren Werke einerpriesterlichen Zeit, in welcher die gesammte Kraft einer Nation fürsolche Unternehmungen in Anspruch genommen wurde, und eineganze Volksmaffe gleichsam wie eine lebendige Maschine an EinemWerke arbeitete. Außerdem verwendete man zuweilen auch nochschutzbedürftige oder bezwungene fremde Volker zu solchen Bauten.Die Ausdauer und Geduld, welche zu solchen Werken erfordertwurden, sind um so stauncnswerther, als die Egypter gerade diehärtesten Steine, wie Granit, Syenit und Basalt, bearbeiteten.Sie thaten dies schon in solchen Zeiten, wo sie, wie wir mit ziem-licher Gewißheit annehmen können, noch keine eisernen Werkzeugehatten; und da sie damals auch ohne dieselben ihre Bilderschriftbis zu mehr als zwei Zoll Tiefe init der größten Schärfe einzu-halten vermochten, so ist es wahrhaft unbegreiflich, durch welcheMittel sie kupferne und bronzene Instrumente bis zu diesem Gradezu härten im Stande waren.

Die ältesten Werke der egyptischen Baukunst befinden sich inOber-Egypten. Man baute theils in Felsen, indem man dieseaushöhlte, theils mit Ziegelsteinen, welche in der Sonne getrocknetwaren, theils mit Werksteinen. Die Letzteren wurden namentlichzum Bau der Tempel angewandt, und man verarbeitete dieselbenzum Theil in so großen Stücken, daß z. B. in den Ruinen desPalastes von Karnak sich ein Sandsteinblock eingemauert findet,welcher eine Länge von vierzig Fuß hat und fünf Fuß dick ist. Zn Hol;wurde sehr wenig gebaut, was auch schon wegen der Holzarmuthdes Landes natürlich wgr: mit äußerst seltenen Ausnahmen bestan-den die Decken aller Tempel aus horizontalen Quadersteinen. DieKunst des Wölbens findet sich erst kurz vor der Zeit der EroberungEgyptens durch die Perser angewandt. Obgleich dessenungeachtetBianche annehmen zu dürfen glauben, daß die Egypter diese Kunstschon viel früher verstanden hätten, so ist doch wenigstens sovielgewiß, daß Gewölbe nicht früher vorkommen, und daß die ganze