Band 
Erster Band.
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g4 Geschichte der alten Welt.

heit in den Gestalten der Körperwelt zu erkenne» und wiederzu-geben. In allen diesen Darstellungen vermißt man die Harmonie,durch welche die einzelnen Theile eines Körpers zu einem Ganzenverbunden sind, und den eigentlichen Charakter desselben. Ebensoverhält es sich mit der Darstellung von Scenen; denn in diesen istweder eine Perspektive, noch eine eigentliche Gruppirung zu finden.Mit sehr seltenen Ausnahmen sind ferner alle Figuren stets imProfil gezeichnet. Sie drücken außerdem nur eine Handlung imAllgemeinen aus, aber es zeigt sich in ihnen kein eigentliches Leben,kein Ausdruck einer Empfindung oder Leidenschaft: der Krieger z. B.ist vorn Priester nur durch sein Kleid und seine äußeren Abzeichenverschieden, und das Gesicht eines Königs ist ebendasselbe, er magals Kämpfer in der Schlacht oder als ein Opfernder in einemTempel dargestellt sein. Auch die Grazie ist den egpptischen Bild-werken fremd, und elegante Formen gewahrt man nur bei manchenihrer Möbel und Geräthschaften, sowie in einigen architektonischenVerzierungen. Übrigens ist zu bemerken, daß die Thiere meistensmit mehr Wahrheit und Leben dargestellt sind, als die Menschen.

Die Bildhauerkunst der Egpptcr zeichnet sich durch kolossaleSchöpfungen aus, leidet aber an allen den Mangeln, welche soeben angeführt wurden. Ihre Reliefs sind im Grunde nur Copicenvon Gemälden, und wurden auch meist so gearbeitet, daß inanBilder an die Wand zeichnete und den Stein rund um die Figurenwegmeiselte. Auch sind diese Reliefs stets mit Farben bemalt. —Ein Phantasie-Gebilde, welches die Egypter oft in Stein darstell-ten, bedarf einer speciellen Beschreibung, weil es sehr häufig er-wähnt wird. . Es ist die Sphinr oder die Darstellung einesLöwen-Leibs mit dem Kopfe irgend eines anderen Thieres oder miteinem menschlichen Haupte. Die häufigsten Arten von Sphinren sind derLöwe mit dem Menschenkopf, der mit dem Widderkopf und der mitdem Kopf eines Habichts. Die erstere Art, welche die Verbindungvon Weisheit und Körperkraft ausdrücken soll, ist diejenige, welche amhäufigsten von unsern Künstlern nachgeahmt wird. Die Sphinre über-haupt waren das Sinnbild der Könige und der Götter, und wurden alsdas der Letzteren an den diese bezeichnenden Thierköpfen und derenSchmuck erkannt; im Fall aber eine Sphinr einen König bedeutensollte, wurde dessen Namen an ihrer Seite angebracht.