Band 
Erster Band.
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Geschichte der alten Welt.

den härtesten Steinen gearbeitet, und haben, obgleich sie nur auseinein einzigen Stücke bestehen, mitunter eine Höhe von 100 bis150 Fuß. Der vor einigen Jahren nach Paris gebrachte Obeliskvon Lurvr stand vor einem großen Palast zu Theben, und hat eineHöhe von 70 Pariser Fuß.

So zeichnen sich die Hauptschöpfungen der egpptischen Kunstdurch den Charakter des Kolossalen und Staunen-Erregenden aus.Noch mehr aber herrscht in den Kunstwerken dieses sonderbarenVolks ein anderer Zug vor, welcher der Grundzug seines ganzenWesens und Lebens ist, — das Festhalten an dem Überlieferten.Eigentliche Entwickelung, dieser Charakterzug der abendländischenVölker und der neueren Zeit, war den Egpptern und den Priester-staaten der Vorzeit fremd; und darum fehlte ihren Schöpfungenauch jene geistige Frische und Lebendigkeit, sowie ihrem nationalenLeben jene Mannichfaltigkeit der Individualitäten und Zustände,durch die der Wechsel der Ereignisse auch für das innere Weseneines Volks fördernd und fruchtbringend wird. Ihre Zustände wieihre Werke und ihr geistiges Leben blieben der Hauptsache nach die-selben durch die ganze lange Zeit ihrer Geschichte hindurch. Ja,so tief wurzelte alles, was diesem Volk einmal eigenthümlich ge-worden war, in demselben, daß das Kasten-Wesen der Egypter,der Charakter ihrer Kunst, das Gewirre ihrer mythologischenBilder und Vorstellungen, ihre Beziehung des ganzen Lebens aufden Tod und ihre uugemcin große Sorgfalt für die Todten nochJahrhunderte lang fortdauerten, obgleich längst der Geist der Zei-ten sich geändert hatte, und die Egypter unter persischer, griechischerund römischer Herrschaft mit anderen Grundsätzen und Formen desLebens bekannt geworden waren. Erst als das Christenthum, dasdie ganze Welt umgestaltete, auch in jenem Lande feste Wurzelngeschlagen hatte, ging endlich das alte egyptische Wesen unter, nach-dem seine Riesenwerke schon längst in Trümmer zerfallen waren.