Orientalische Volker. Israelitin. IftZ
und bleibendes Oberhaupt die Stämme vereinigt halten und imKriege anführen könne. Die Erfüllung dieses Wunsches stand imgrellsten Widersprüche mit der Mosaischen Gesetzgebung, nach wel-cher Gott allein das Haupt des Staates war, und dieser nur nachGottes Geboten gelenkt werden sollte. Samuel bot daher Allesauf, um die Jsraeliten von jenem Begehren abzubringen; allein esgelang ihm nicht: er »rußte dem dringenden Verlangen derselbennachgeben, und ernannte Sank, einen Mann aus dem StammeBenjamin, zum König, welcher, nach einem über die Ammonitererfochtenen Siege, auch allgemein als solcher anerkannt wurde(1095 v. Chr.). Dieser, obgleich ein tapferer Mann und durchsiegreiche Kriege mit den Feinden deS Landes sich auszeichnend, warder Aufgabe eines Herrschers nicht gewachsen, und beging mancheFehler. Als er starb, bestieg der als Prophet, Dichter und Kriegs-held ausgezeichnete und von Samuel bereits zu dieser Würde ein-geweihte David aus dem mächtigen Stamme Juda den Thron(1055). Die meisten Stämme hielten zwar anfangs zu dem ein-zigen übrigen Sohne Saul's, aber nach und nach fielen auch siezu David ab, und 1048 wurde dieser endlich allgemein als Königanerkannt.
Die Regierung David's und die darauf folgende seines Soh-nes Salomo sind der Glanzpunkt der Geschichte des israelitischenVolks. Unter diesen Königen stand dasselbe am mächtigsten da,und war das Hauptvolk der vorderen Hälfte von Asien. Unterihnen entstanden Handel und Gewerbe bei den Jsraeliten, und eingroßer Wohlstand verbreitete sich durch Palästina. Unter ihnenendlich, welche selbst Schriften verfaßten, nahm das goldene Zeit-alter der israelitischen Literatur seinen Anfang. David regiertevon 1048 bis 1014, und ist unstreitig als Mensch und als Königder trefflichste Herrscher, den das israelitische Volk je hatte. Erführte glückliche Kriege mit den benachbarten Völkern, machte aberseine Kriegsunternehmungen nicht, um erobernd sein Reich bis znrGröße einer Weltmacht zu erweitern, sondern nur um die Grenzendesselben durch besiegte Feinde zu decken. Da er ferner einsah, daßsein Volk fortan des Handels bedürfe, so öffnete er nach verschiedenenSeiten hin Wege für denselben, und legte so den Grund für die großeHandelsthätigkeit, welche nachher Salomo in seinen Staaten entwickelte.