114 Geschichte der alten Welt.
auf; ja, sein Reichthum erreichte gerade in den Zeiten der assyri-schen und babylonischen Macht den höchsten Grad. Sidonier undAraber dienten den Tyriern als Matrosen auf ihren Schiffen, nndvon der Nordküste Afrika's, vom rochen Meer und von Pcrsienher warben sie Söldner, aus welchen ihre Kriegsmacht gebildetwurde; sie besaßen eine große Handelsflotte, und ihre Schiffewaren zum Theil auf das prachtvollste verziert; ja, es wird berichtet,daß manche derselben mit kostbarem Holze getäfelt, mit Buchs undElfenbein eingelegt und, bei festlichen Gelegenheiten, mit Segelnvon feinen baumwollenen Zeugen versehen waren.
Von neuem kamen die Tyrier in große Gefahr, als Nebukad-nezar, der Zerstörer von Jerusalem, über das babylonische Reichherrschte; aber auch damals retteten sie durch Muth und Ausdauerihre Freiheit. Die übrigen Phönicier huldigten, wie einst zu Sal-manassar's Zeit, dem mächtigen Herrscher; die Tyrier dagegenzogen sich wieder auf ihre Jnselstadt zurück, und obgleich das ba-bylonische Heer dreizehn Jahre lang in Phönicien stehen blieb unddie Tyrier bekriegte, so behaupteten diese doch ihre Unabhängigkeit.Nur Alt-Tyrus fiel in die Gewalt Nebukadnezar'ö, welcher alle Ein-wohner, die sich dort fanden, nach Babylonien in die Gefangen-schaft schleppen ließ.
Als später die Perser unter Cyrus ihre Herrschaft über Vor-derasien ausbreiteten, unterwarf sich ihnen auch das gestimmte Volkder Phönicier freiwillig, obgleich, wie es scheint, nur unter gewissenBedingungen. Die phönicischen Städte waren unter der persischenHerrschaft zum Seedicnst und zu gewissen Abgaben verpflichtet,sonst aber fast ganz frei: sie verwalteten sich selbst, behielten ihreseitherigen Einrichtungen, und ordneten auf einem Kongreß vonDeputirten der einzelnen Städte, der von Zeit zu Zeit in Tyrusgehalten wurde, ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten. Nur dieBedrückungen, welche persische Statthalter und Officicre sich erlaub-ten, machten die Lage der Phönicier sehr schlimm; diese warenvorzugsweise in Sidon fühlbar, welches damals wieder über Tyrusemporblühte und der Mittelpunkt des phönicischen Seewesens ward.Übrigens bildeten die Phönicier, zugleich mit den unterworfenenkleinasiatischen Griechen, den Kern der persischen Seemacht. Umdie Mitte des vierten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung schloffen