Griechen. Früheres heroisches Zeitalter. j7g
besiegt, und mußten sich zu einem Tribut verpflichten, welcher darinbestand, daß alle neun Jahre sieben athenische Jünglinge und ebenso viele Mädchen nach Kreta geschickt wurden, um daselbst demMinotaurus als Speise vorgeworfen zu werden. Von diesemTribut befreite die Athener des Aegeus Sohn und Nachfolger,Thesens, noch zu Lebzeiten seines Vaters. Theseus, welcher imdreizehnten Jahrhundert vor Christo lebte, ist nächst Herkules einer dergefeiertsten Männer der griechischen Heldensage, und diese hat dieGeschichte seines Lebens auf eine sehr romantische Weise ausgeschmückt.Er war nicht in Athen, sondern in der argolischen Stadt Trözen gebo-ren, wo Aegeus ihn als kleines Kind nebst seiner Mutter, der Tochterdes dortigen Herrschers, zurückgelassen hatte. Dem Befehl des Vatersgemäß sollte Theseus, nach zurückgelegter Kindheit, nur dann nachAthen kommen, wenn er einen schweren Felsblock, unter welchenAegeus ein Schwert und ein Paar Sandalen gelegt hatte, aufzu-heben vermöge. Theseus löste diese Aufgabe im sechszehnten Lebens-jahre, und trat nun mit jenen Erkennungszeichen die Reise zu sei-nem Vater an. Unterwegs ergriff er begierig jede Gelegenheit,seinen Heldcnsinn zu bewähren. Zuerst tödtete er bei Epidaurusin Argolis den berüchtigten Räuber Periphetes, der alle Reisendenüberfiel und mit einer eisernen Keule erschlug. Dann befreite erdie Welt von einem andern Unmenschen, welcher Sinis der Fich-tenbeuger hieß und auf dem Isthmus wohnte. Dieser pflegte alleReisenden festzunehmen, ihre Füße an die Spitzen zweier niederge-bogener Fichten zu binden und dann die Baumwipfel schnell in dieHöhe fahren zu lassen, so daß der Körper der Unglücklichen inzwei Stücke zerrissen wurde. Theseus bezwäng ihn, und ließ ihnauf dieselbe Weise sterben. Der dritte Frevler, den er tödtete, warCercyon, welcher alle Fremden nöthigte mit ihm zu ringen, unddiejenigen, die er überwand, umbrachte. Nachher kam die Reihean den Räuber Skiron, der an der Grenze von Megaris undAttika wohnte, und auf einem Felsen sitzend die Vorüberreisendenzwang ihm die Füße zu waschen, worauf er sie in das Meer hinab-stieß. Auch er mußte denselben Tod sterben, den er über so vieleMenschen verhängt hatte. Hierauf erhielt der Räuber Prokrustes,d. i. der Ausdehnet', durch Theseus seine Strafe. Prokrustes, derun Lande Attika wohnte, pflegte die Reisenden scheinbar gastfrennd-
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