Griechen. Früheres heroisches Zeitalter. 183
enthielt in der ältesten Zeit zwei Reiche, das von Orchomenosund das von Theben. Das erstere, dessen Bewohner Minyerhießen, blühte durch Ackerbau und Handel so sehr auf, daß es inder Urzeit der reichste Staat von Griechenland war. Eine Zeit-lang war sogar das thebanischc Reich den Mindern tributpflichtig.Nach dem trojanischen Krieg aber sank die Macht von Orchomenossehr schnell, während Theben von dieser Zeit an bis zum Unter-gang Griechenlands die alleinige Hauptstadt von Böotien blieb.Im vierten Jahrhundert vor Christo wurde endlich Orchomenosvon den Thebanern zerstört, und obgleich es aus seinen Trüm-mern wieder emporstieg, so blieb es doch ein unbedeutender Ort.
Die Geschichte von Theben beginnt mit der Ankunft, desPhöniciers Kadmus, welche in das Jahr 1519 vor Christofiel. Die Sage berichtet die Gründung der von ihm angelegtenStadt Theben in folgender Weise. Kadmus war von seinem VaterAgenor ausgesandt worden, um seine geraubte Schwester Europazu suchen, und sollte ohne sie nicht nach Phönicier, zurückkommen.Da er sie nirgends finden konnte, so fragte er das delphische Orakelurn Rath, und dieses antwortete ihm, er solle der ersten ihm be-gegnenden Kuh folgen, und da, wo dieselbe sich niederlegen würde, eineStadt gründen: eine aus dem Namen Böotien entstandene Er-zählung, weil dieser durch ein griechisches Wort, welches Kuh be-deutet, erklärt werden kann. Kadmus befolgte das Geheiß desOrakels, und gründete Kadmea, die Burg der Stadt Theben.Er tödtete dabei einen in der Nähe.lebenden Drachen, und säeteauf den Rath einer Gottheit die Zähne desselben aus. Eine Mengebewaffneter Männer sprossen aus dieser Saat hervor, sie brachtenaber sogleich einander um, bis auf fünf, welche die Spartenfd. i. die Gesäeten) hießen, und die Stammväter des thebanischenAdels wurden. Kadmus vermählte sich mit Harmonia oderHermione, einer Tochter des Mars und der Venus. AlleGötterverherrlichten die Hochzeit durch ihre Anwesenheit. Unter den Ge-schenken, welche sie den Neuvermählten überreichten, befand sich auch einHalsband und ein Mantel, welche ein denselben abgeneigter Gottim Zorne ihnen gab, und die deshalb den, Hause des Kadmusdurch alle Zeiten hindurch Unglück brachten. Kadmus erhielt einenSohn und vier Töchter. Die Geschichte der Letzteren, welche Se-