Band 
Erster Band.
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2i2 Geschichte der alten Welt.

Die Religion war auf das innigste mit dem Staatslebenverbunden; aber von einer mit Einfluß begabten Priesterschaft zeigtsich nicht die geringste Spur. Der König war auch für die reli-giösen Angelegenheiten der Leiter, und verrichtete die Opfer, ohnedazu eines Priesters zu bedürfen. Schon bestand zwar neben den»uralten dodonäischen Orakel auch das in der nachfolgenden Zeit sowichtig gewordene Orakel zu Delphi in Phokis; allein Beide hat-ten in der Heroenzeit kein allgemeines Ansehen und keinen bedeu-tenden Einfluß. Dagegen gab es sogenannte Seher, welche in demRufe standen, höhere Weisheit und eine Art von Nerkehr mit denGöttern zu haben, und die deswegen zu Rathe gezogen wurden,um bei wichtigen Unternehmungen den Ausgang vorherzusagcnoder bei allgemeinen Unglücksfällen den Grund derselben und dieMittel zu ihrer Beseitigung zu erforschen. Die berühmtesten dieserMänner waren Orpheus, welcher bei dem Argonauten-Zug dieRolle des Sehers spielte, Amp hiaraus, der in gleicher Eigenschaftden Zug der Sieben gegen Theben mitmachte, Tiresias, welchersowohl damals als auch im Krieg her Epigonen der Seher der Thc-baner war, und endlich Kalchas, der Seher der Griechen imtrojanischen Krieg. Auch diese Männer hatten keinen Einfluß, dernur einigermaßen mit dem der orientalischen Priesterkasten ver-glichen werden könnte: sie wurden im Grunde nur als Versöhnerder beleidigten Gottheit und als Ralhgeber angesehen, ihre Weis-sagungen wurden nicht immer berücksichtigt, und mitunter mußtensie, bei unwillkommenen Verkündigungen, sogar den Zorn des Kö-nigs über sich ergehen lassen.

Der Glauben des heroischen Zeitalters ist die Grundlage derspäteren griechischen Volksreligion. Er entsprang wahrscheinlichaus verschiedenen Quellen; deswegen kann man ihn auch nicht,wie den der Zndier und Egppter, durch einen bestimmten Haupt-gedanken bezeichnen. Die Religion der Griechen überhaupt ist nieein abgeschlossenes System gewesen und darum auch nicht frei vonWidersprüchen, zumal da nach der heroischen Zeit auch orientalischeVorstellungen in dieselbe aufgenommen wurden. Die Griechen die-ser Zeit dachten sich den Himmel oder vielmehr die Spitzen desgleichsam in denselben hineinragenden Berges Olympus ebenso,wie die Erde, von Wesen belebt; sie stellten sich dieselben, ihrem