Griechen. Charakter des heroischen Zeitalters. zu
Unedlen oder die Gesammtheit freier Bürger der zweiten Klassewurden bei allen wichtigen Anlässen versammelt, um ihre Zustim-mung zu Krieg und Frieden oder zu irgend einer andern Sachevon Wichtigkeit zu geben; und die in der Zliade und Odyssee be-schriebenen Volksversammlungen zeigen schon jene allgemeine Theil-nahme an öffentlichen Angelegenheiten und jene lebendige Regsam-keit, welche später in den griechischen Republiken sich in einem sohohen Grade entwickelten. Überdies gaben damals Tapferkeit undStärke jeden: Manne seinen eigentlichen Werth, und mehr noch,als bloße Körperkraft, verschafften Erfahrung, Beredsamkeit unddie verständige Einsicht in das Leben und seine Verhältnisse einemjeden Ehre und Bedeutung.
Der Krieg bestand mehr in den Kämpfen der Königeund Edeln, als in denen des Volks, welches in geschlossenen Mas-sen sich auf dem Schlachtfeld aufstellte. Auch hatte die Erziehung derHäuptlinge nicht den Zweck, Feldherren und Anführer, sondern muthigeund gewandte Streiter zu bilden. Schnelligkeit im Laufen, Kraftund Sicherheit im Werfen und Gewandtheit im Ringen wie imGebrauche der Waffen waren die Hauptsache. Jeder Führer hatteseinen Streitwagen, auf welchem ein neben ihm stehender jüngererMann die Zügel lenkte, während er selbst mit dem Wurfspeerkämpfte. Die Befestigung der Städte bestand in einem Grabenund einer Mauer mit Thürmen. Eine Belagcrungsknnst aber gabes noch nicht: man kannte kein einziges, zur Einnahme einer Stadtdienendes Werkzeug.
Musik und Dichtkunst spielten eine große Rolle in demLeben dieser kriegerischen Völkerschaften. Sie waren unzertrennlichvon ihren Mahlen, ihren Festen und ihren Kriegszügen. DieLeier, die Flöte und die Pfeife waren die musikalischen Instrumenteder Heroenzeit; die Trompete ward erst am Ende derselben ge-bräuchlich. Flöte und Pfeife waren die Instrumente des Hirtenund Bauern; die Leier dagegen ward von den Dichtern oderSängern und von manchem der Könige und Edeln gespielt, unddiente stets zur,Begleitung des Gesangs. Dieser war die Haupt-sache, und die Kriegsthaten lebender oder verstorbener Helden bildetenseinen Inhalt. Es gab Sänger oder Barden, welche solche Lieder dichte-ten und in den Kreisen der Männer sangen; sie standen in großer Achtung.
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