Griechen. Die Colonieen. 22z
Die durch große Fruchtbarkeit ausgezeichnete Insel Samos,' deren Hauptstadt den gleichen Namen führte, erhielt eine großeBedeutung für die Schifffahrt und die Kunst des griechischen Volks.Die Samier, deren Handel vorzugsweise nach der afrikanischenKüste gerichtet gewesen zu sein scheint, waren die ersten Griechen,welche durch die Straße von Gibraltar schifften. Auf ihrer Inselblühten schon früh die Künste, ihre Hauptstadt war, ehe Athen sicherhob, eine der schönsten griechischen Städte, und der in derselbenerbaute Tempel der Juno soll das größte Gebäude Griechenlandsgewesen sein. Samos war, nach alle» Berichten aus frühererZeit, einer der ältesten Sitze griechischer Kunst. Schon ein angeb-licher Zeitgenosse des Dädalus, welcher ebenso berühmt als dieserist, Smilis, soll der Sage nach eine Statue der Juno für dieSamier verfertigt haben. Auch später blühten die Künste in Samos,und diese Insel hatte namentlich den Ruhm, daß zur Zeit des Poly-krates zwei samische Künstler die Erzgießerei erfanden.
Im Staatsleben der Samier waltete ein ewiger Kampf derParteien, und dies hatte zur Folge, daß öfters ein unternehmenderMann die Zwietracht der Bürger benutzte, um sich zum alleinigenGebieter oder, wie die Griechen einen solchen unrechtmäßigenHerrscher in Freistaaten nannten, zum Tprannen auszuwerfen. Derberühmteste dieser samischen Fürsten war Polykrateö, welcherwahrscheinlich von 565 bis 522 v. Chr. regierte. Polpkrates stützteseine Herrschaft auf Soldtruppen, auf großartige Unternehmungen,durch die er dem Volke Beschäftigung gab, und auf die glänzendePracht, durch welche er dasselbe blendete. Er strebte, wie einst Minosvon Kreta, nach einer.See-Herrschaft, und suchte den ganzen Archi-pelagus von sich abhängig zu machen. Er unterwarf sich auchwirklich viele Inseln und einige Städte der klcinasiatischen Küste,
schloß Bündnisse mit den Egpptern und den Persern, und suchte
vor Allem sich Schätze zu sammeln, um die Kosten für ein starkesHeer, eine große Flotte und einen königlichen Aufwand bestreitenzu können. Das Glück begünstigte ihn bei seinen Unternehmungenin so hohem Grade, und wandte sich zuletzt so schnell von ihm,daß er, wie bereits oben (S. 74) angegeben ist, deshalb von den
späteren Griechen oft als Beispiel angeführt wurde. Er besiegte
die mächtigen Milesier in einer großen Seeschlacht, unterdrückte
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