2Z2 Geschichte der alten Welt.
Im ganzen Verlauf der Geschichte wurde es nicht weniger alsneunundzwanzigmal belagert und achtmal erobert. In der erstenHälfte des vierten Jahrhunderts nach Chr. machte Konstantin derGroße es zur Hauptstadt des römischen Reichs, und seitdem istByzanz, welches von dieser Zeit an Konstantinopel hieß, stets eineder wichtigsten Städte der Welt geblieben, nachdem es schon vor-her, zugleich mit Rhodus, lange Zeit einer der Haupthandelsplätzevon Osteuropa gewesen war.
An der Propontis oder dem Marmara-Meer war auf derasiatischen Seite Cyzikus die wichtigste Stadt. Sie war eineColonie von Milet, und hatte in der früheren Zeit nur eine geringeBedeutung, wurde aber später durch ihre gute Verfassung und ihrenausgedehnten Handel so reich und blühend, daß sie um die Zeitvon Christi Geburt den größten und schönsten freien Städten deralten Welt beigezählt ward. Sie war vortrefflich befestigt, undspielte dadurch auch in den asiatischen Kriegen der Römer einegroße Rolle. In der Nähe dieser Stadt lag der Berg Dindy-mus mit einem Tempel der phrygischen Göttin Cybele, welche nachihm, sowie nach einem andern Berge dieses Namens beiPessinus inPhrygien auch Dindymene genannt ward. Sie war die als Persongedachte Erde oder Natur, und wurde oft auch für die Mutterder Götter gehalten. Der geheimnißvolle, schwärmerische und zumTheil abscheuliche Dienst dieser Göttin, welcher dem Geiste dergriechischen Religion durchaus widerstritt, ward wahrscheinlich vonCyzikus aus in einige Gegenden Griechenlands eingeführt. — Aufder europäischen Seite der Propontis waren Selymbria undPerinthus die wichtigsten Städte, jenes eine Colonie der Me-gareer, dieses eine Pflanzstadt der Samier.
Am Hellespont lagen die asiatischen Städte Lampsakus undAbydus und auf der europäischen Seite, der Letzteren gegenüber,die Stadt Sestus. Die beiden Ersteren waren milesische Colo-nieen, Sestus dagegen ward von Acoliern gegründet. Alle dreiwaren besonders als Überfahrtsorte von Europa nach Asien wich-tig. Lampsakus hatte außerdem auch für das religiöse Leben deralten Griechen eine hohe Bedeutung. In dieser Stadt nämlichward vor allen andern Göttern Priapus verehrt, welcher gewöhn-lich der Feld- und Gartengott genannt wird, eigentlich aber eine