Griechen. Die Colonieen. 241
mehr als anderthalb Jahrtausende hindurch; erst voni vierzehntenJahrhundert unserer Zeitrechnung an begann sie aus diesem Landezu weichen, und selbst jetzt noch soll am äußersten südlichen EndeItaliens ein griechisch redender Überrest jener alten Bevölkerung zufinden sein. Wegen dieser gänzlichen Umwandelung von Unteritalienführte dasselbe im Alterthum den Namen Großgriechenland,welcher anfangs blos die südöstliche Küste deö Landes, später aber ganzUnteritalien bis zur Gegend von Neapel umfaßte. Dieser Namensollte jedoch nicht etwa einen Gegensatz gegen das eigentliche Griechen-land ausdrücken, zumal da das mit ihm bezeichnete Land in Wirk-lichkeit nicht größer als dieses war; sondern man nannte jene Südost-küste Italiens, welche zuerst diesen Namen erhielt, das große Land derGriechen, weil sie mit einer ununterbrochenen Reihe griechischer Co-lonieen bedeckt war, und diese also einen Gegensatz gegen die anandern Punkten Italiens vereinzelt liegenden Pflanzstädte bildeten.
Die wichtigsten Colonieen Unteritaliens waren die nachfolgendverzeichneten, welche der Reihe nach angegeben sind, und zwar vondem Norden der südöstlichen Küste anfangend. Tarentum,das heutigeTaranto, wurde um das Jahr 700 vor Chr. von den Spartanerngegründet. Es gehörte lange Zeit zu den unbedeutenderen Colonieenin Unteritalien, schwang sich aber, etwa vom fünften Jahrhundertan, über alle übrigen empor, und erwarb sich die größte Seemachtund den ausgebreitetstcn Handel. Metapontum, eine achäischePflanzstadt, hatte im Vergleich mit den andern Colonieen nie einegroße Bedeutung, wird aber wegen der Ruinen, die sich von ihmerhalten haben, neuerdings öfters erwähnt. Siris am gleich-namigen Flusse, auch Heraklea am Siris genannt, hatte keineWichtigkeit, ausgenommen daß dort eine Zeitlang ein Kongreß dergriechischen Colonieen Unteritaliens gehalten wurde. Spbariöwurde, etwa siebenhundert Jahre vor Chr. von Achäcrn gegründet,und erhob sich äußerst schnell zur blühendsten und mächtigsten Han-delsstadt von Großgriechenland. Es erlangte einen weit ausge-breiteten Handel, und unterwarf sich landeinwärts ein so großesGebiet, daß vier Völkerschaften und fünf und zwanzig Städte ihmgehorchten. Die Stadt Spbaris selbst hatte einen Umfang vonzwei und einer halben Stunde, und soll, was gewiß übertriebenist, nicht weniger als hunderttausend wirkliche Bürger enthalten
Schloffcr'S Weltgesch. f. d. d. B. I. 18