Griechen. Die Coloniccn. 25l
Adel einem allgemeinen Aufstand der übrigen Bürger und derLeibeignen, und wurde von diesen aus Syrakus verjagt. Er wandtesich an Gelo, den Beherrscher der Stadt Gela, um Hülfe, undwurde zwar von diesem wieder in die Stadt zurückgeführt, mußteaber zugleich auch ihu als seinen Herrn anerkennen.
Gelo, welcher seine Residenz nach Syrakus verlegte und von484 bis 477 v. Chr. daselbst herrschte, hob die Vorrechte des Adelsauf. Unter seiner festen und doch milden Regierung erreichte dieStadt den Gipfel ihrer Macht und ihres Reichthums. Er wußtealle inneren Unruhen fern zu halten, machte den größten TheilSiciliens von sich abhängig, hielt ein sehr großes und tüchtigesHeer, vermehrte die syrakusanische Flotte, und schützte mit ihr denneu aufblühenden Handel der Stadt. Auch als Feldherr ausge-zeichnet, schlug er bei Himera in einer offenen Schlacht, die vomfrühen Morgen bis zum späten Abend dauerte, ein zahlreiches Heerder Karthager, die auf Sicilien festen Fuß zu fassen suchten.Diese Schlacht fand fast zu gleicher Zeit mit dem glänzenden SiegeStatt, welchen Gelo's Landsleute im eigentlichen Griechenland beiSalamis über die Flotte der Perser erfochten (480 v. Ehr.).
Die Macht und das Ansehen Gelo's stiegen so sehr, daß es fastschien, als wenn jetzt alle Griechen Siciliens in Einen Staat wür-den vereinigt werden; allein Gelo starb zu früh, und sein Bruder undNachfolger Hiero (von 477 bis 467 v. Chr.) führte eine Regier-ung, welche mehr glänzend und durch die Förderung von Wissen-schaft und Kunst ausgezeichnet, als auf ein großartiges Ziel gerich-tet und geschickt geleitet war. Der nächste Nachfolger, Thrasybul,ein jüngerer Bruder seiner beiden Vorgänger, wandte sogar seineHerrscherinacht nur zu Handlungen des Nbermuths und der Ge-waltthätigkeit an. Er wurde schon nach einem Jahre aus Syrakusvertrieben. Der Adel gelangte jedoch weder damals, noch über-haupt je wieder zum Besitz seiner früheren Vorrechte^ sondern eswurde eine vollkommene Demokratie oder Volksherrschaft eingeführt.Auch in der folgenden Zeit blieb Syrakus nicht ohne starke Er-schütterungen, und erlitt mannichfache Wechsel des Geschickes; dieshängt aber mit der allgemeinen griechischen Geschichte der nächstenPerioden zu enge zusammen, als daß es getrennt von dieser dar-gestellt werden könnte.