Band 
Erster Band.
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Griechen. Sparta vor den Perser-Kriegen. 287

wurden, und auch in Sparta die uns allen angeborene Sinnlichkeitüber Sitten und Gesetz den Sieg davon trug.

Das Leben in Sparta hatte, ungeachtet seiner Einseitigkeit«»und Entbehrungen, doch seine großen Reize, und vermochte dieSeele des Mannes auszufüllen. Wie dem Ritter des MittelaltersReligion, Cultus und Poesie hohen Sinn und große Gedankeneinflößten, so dem Spartaner die wenigen überlieferten Kenntnisseund die dem Gedächtnisse eingeprägten kräftigen Verse der Natio-naldichter. Sein Gedankenkreis war eng; aber innerhalb des engenKreises behauptete die durch Erziehung und Gewöhnung von allemGemeinen und Unsittlichen entfernt gehaltene Seele den ganzenAdel, der ihr ursprünglich eigen ist, bis zuletzt, wie in der neuerenZeit bei den Holländern und Schweizern, so auch in Sparta die langeerhaltenen Sitten der Alles vernichtenden Zeit unterlagen. Endlich er-heiterten ja auch bildende Kunst, Poesie, Musik und regelmäßig wieder-kchrende Nationalfeste das Leben der Spartaner, und vereinigten bei derVerehrung und unter dem Schirm der Landesgottheiten das ganzeVolk, Negierende und Regierte, mit alleiniger Ausnahme der armenHeloten; und so ward das Finstere, welches ein Leben ohne Ge-werbe, ohne Handelsthütigkeit, ohne Literatur und ohne Theaterhaben mußte, wenigstens durch einige echt griechischen Anstaltenerhellt.

Über die letzten Jahre und das Ende des berühmten sparta-nischen Gesetzgebers sind die Berichte des Alterthums ebenso sagen-haft, wie über sein übriges Leben. Seine Verfassung wurde nichtohne Schwierigkeiten eingeführt, und rief anfangs manches frucht-lose Widerstreben einzelner Unzufriedenen hervor. Nachdem dasganze Werk zu Ende gebracht war, erklärte Lykurg, wie es heißt,der Volksversammlung, daß zur Vollendung desselben noch Einsübrig sei, worüber er jedoch erst den delphischen Gott um Rathfragen müsse. Er ließ sich hierauf von allen Bürgern eidlich ver-sprechen, bis zu seiner Zurückkunft keine Änderung an seinen Ge-setzen vornehmen zu wollen. In Delphi wurde ihm der Orakel-spruch ertheilt, daß seine Anordnungen vortrefflich seien, und Sparta,so lange es denselben getreu bleibe, mächtig und ruhmvoll seinwerde. Er sandte hierauf diesen Spruch nach Sparta, kehrte aberselbst nicht dahin zurück, um nicht seine Mitbürger dadurch von dem