ZZ2 Geschichte der alten Welt.
der Phylen von vier auf zehn vermehrt, und der Senat, welcherseither aus je hundert Bürgern jeder Phyle bestanden hatte, fortanaus je fünfzig Bürgern der zehn Phylen zusammengefegt, und so-mit um hundert Mitglieder vergrößert werde. Dadurch wurde nichtallein der Senat gemischter und demokratischer, sondern es wurdenauch die Reste der alten Aristokratie in der Wurzel vertilgt, alleseitherigen Abhängigkeiten zerstört, und die Wahl der Senatorendem Einfluß der großen Familien entzogen. Vorher konnte nämlichein einzelner Mann, der in einem Geschlechte den ersten Ranghatte, auf die ganze Phyle oder den vierten Theil der Bürger-schaft einwirken, und überdies war stets ein Theil der Beamtender verschiedenen Volksgemeinden und ihrer Unterabtheilungen ausden alten Familien gewählt worden, jetzt aber hörte dies auf.Ferner waren die verschiedenen Abtheilungen, in welche das Volkzerfiel, selbstständige Körper: jede hatte ihre besonderen Beamten,Versammlungen und Neligionsfeste; die Vermehrung der Phylenund ihrer Unterabtheilungen war also eine Vervielfältigung dereinzelnen Bürgervereine und somit eine Verstärkung der Volksherr-schaft. Außerdem vermehrte Klisthenes die Zahl der Bürger durchdie Aufnahme von Beisassen und Fremden.
Klisthenes soll es auch gewesen sein, der den sogenanntenOstracismus in Athen einführte. Dieser war ein Gericht desVolks, durch welches ein einzelner Bürger seines Einflusses wegenfür gefährlich erklärt und auf zehn Jahre aus Athen verbanntwurde. Das Urtheil ward nicht als Strafe angesehen, und wardeshalb weder im mindesten entehrend, noch, wie sonst Landesver-weisung, mit dem Verlust des Vermögens verbunden. Dieses Ge-richt wurde zu bestimmten Zeiten regelmäßig gehalten, und hatteseinen Namen von einem Worte, welches Scherbe bedeutet, weiljeder Bürger zum Behuf der Abstimmung eine Scherbe erhielt, aufwelche er den Namen des zu Verbannenden schrieb. Übrigens muß-ten beim Ostracismus wenigstens sechstausend Bürger mitstimmen.Der Ostracismus war das Mittel, solche Männer unschädlich zumachen, welche zu mächtig geworden waren, und deshalb für dasFortbestehen der Republik gefährlich werden konnten. Diese Ein-richtung war jedenfalls eine große Ungerechtigkeit, und hatte etwassehr Gehässiges; allein die republikanische Verfassung macht zuweilen