Griechen. Athen vor den Perser-Kriegen. zzz
die Aufopferung eines Einzelnen nöthig, damit das Ganze bestehe.Ebendasselbe kommt übrigens, nur in andrer Form, auch bei andernVölkern vor. Ostracismus nämlich war es, wenn die alten Römereinen wegen seines Einflusses gefährlichen Mann durch Beauf-tragung mit einem auswärtigen Geschäfte wider seinen Willen aufeine Zeitlang von Rom entfernten, oder wenn im Mittelalter eingefährlicher Großer durch das Gebot des Herrschers ohne Urtheilund Recht verbannt wurde, oder endlich wenn heut' zu Tage einallzu einflußreicher Staatsmann wider Willen auf einen auswärtigenGesandtschaftsposten geschickt wird.
Jsagoras wagte nicht, die neuen vom Volk angenommenenEinrichtungen geradezu anzugreifen, sondern er suchte zuerst denUrheber derselben aus der Stadt zu vertreiben. Er bediente sichdazu seines Gastfreundes, des Königs Kleomenes, mit welchem erauch die weiteren Maßregeln zur Herstellung einer Aristokratie ver-abredete. Kleomenes brachte es in Sparta dahin, daß man dieAthener auffordern ließ, die Alkmäoniden als eine mit schwererSündenschuld beladene Familie aus ihrer Stadt zu entfernen. DieAthener waren unvermögend der Gewalt zu widerstehen, undKlisthenes mußte mit den Seinen in die Verbannung ziehen. Hier-auf erschien Kleomenes selbst mit einem kleinen Heere in Athen,um seinem Freunde zur Durchführung seiner Pläne behülflich zusein. Er jagte siebenhundert Familien, welche Jsagoras ihm be-zeichnet hatte, aus der Stadt, und wollte auch den Senat auflösenund statt desselben einen Rath von dreihundert Aristokraten ein-setzen. Allein dies ging zu weit; der Senat gehorchte seinem Ge-bote nicht, sondern empörte sich sammt der Bürgerschaft gegen diebeiden Gewalthaber. Diese mußten sich in die Burg flüchten, wosie schon am dritten Tage genöthigt waren zu capituliren. Sieerhielten freien Abzug; die Anhänger des Jsagoras aber wurdenumgebracht. Nun kehrten Klisthenes und die andern Verbanntennach Athen zurück.
Ein Krieg mit Sparta schien jetzt unvermeidlich, und die Athe-ner beschlossen deshalb die Perser um Hülfe anzugehen, weil siedamals auch mit ihren Nachbarn, den Böoticrn, Euböern undAegineten in Zwist waren. Sie schickten also Gesandte an denPersischen Satrapen Artaphernes, welcher zu Sardes inLydien residirte.