Band 
Erster Band.
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339
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Griechen. Geistiges Leben der älteren Zeit. ZZ9

aus einem Hexameter und Pentameter bestehende Gedicht, ohneRücksicht auf den Inhalt desselben. Die Lieder des Mimnermusbeklagen die Vergänglichkeit der Freuden, die Kürze des Lebensund die Fülle menschlicher Leiden, aber sie fordern zugleich auchzum Genusse auf. Kurz nach ihm lebten Stesichorus aus Himerain Sicilicn, welcher die Ode in die später von Pindar ausge-bildete Form hinüberführte, und Ibpkus aus Rhegium in Unter-italien oder aus Messing in Sicilien, der im deutschen Volke durchdie von Schiller als Ballade behandelte Sage von seiner Ermord-ung allgemein bekannt geworden ist.

Einer der berühmtesten lyrischen Dichter der Griechen warAnakreon von Teos in Jonien, ein Zeitgenosse und Freund desPolykrates und des Pisistratus und seiner Söhne, welcher nach ein-ander an den Höfen dieser Herrscher lebte, und erst 474 v. Chr., fünfund achtzig Jahre alt, starb. Er lehrte die Lebensphilosophie desGenusses am schönsten von allen griechischen Dichtern, und seinNamen ist zur Bezeichnung eines großen Sängers der Liebe unddes Weins sprichwörtlich geworden. Ein jüngerer Zeitgenosse des-selben war Simonides von Ceos, einer Cpkladen-Jnscl. Er warebenfalls mit den Pisistratidcn, sowie mit Pittakus von Mitpleneund mit Hiero von Syrakus enge befreundet, und starb erst im neun-zigsten Jahre seines Lebens, 469 v. Chr. Er ist besonders wegenseiner Klagelieder berühmt, und war derjenige elegische Dichter imneueren Sinne des Wortes, welcher nach Mimnermus zuerst sicham meisten auszeichnete. Auch er kommt in seinen Liedern stets aufden Satz zurück, daß das Leben kurz sei, und daß man deshalbeilen müsse es zu genießen. Hundert Jahre vor seiner Jugend-zeit zeichnete sich sein Großvater, Simonides von Amorgus,einer Sporaden-Insel, als Dichter aus, dessen Namen ein halb-satyrisches Gedicht über das Wesen der Frauen trägt. Dieses ent-hält ein treffendes Gemälde des weiblichen Geschlechts seiner Zeit,und schildert zugleich einerseits die Verirrungen der Eitelkeit, Ko-ketterie, Ncugierde und Schwatzhaftigkeit, sowie andererseits denSegen der würdigen Hausfrau, Gattin, Mutter und Gesell-schafterin. —

Die dritte Art von Dichtungen dieses Zeitraums oder diePhilosophische Poesie entwickelte sich aus den Theogvnieen und