Band 
Erster Band.
Seite
340
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Geschichte der alten Welt.

Kvsmogonieen, indem die dichterischen Sagen von der Entstehungder Welt und der Götter zu den Ansängen der Physik, Mathema-tik, Astronomie und Philosophie leiteten. Diese Dichtungen gingenvon den Colonieen in Jörnen und Unteritalien aus, und bereitetendie eigentliche Philosophie vor, welche im folgenden Zeitraum zuAthen ihren Sitz hatte. Sie zerfallen in drei Arten.

Die erste dieser drei Arten war Naturphilosophie, und führtden Namen der ionischen Philosophie, weil sie in Jonienentstand (um 600 v. Chr.). Sie stand jenen Kosmogonieen undTheogonieen am nächsten, und suchte auf dein Wege des Denkensund Schließens den Urgrund der Dinge zu ermitteln, welchen jenePoesie nur in Mythen darstellte. Ihre Sprache aber blieb nochpoetisch. Thales von Milet, welcher schon früher als einer dersieben Weisen angeführt worden ist, war der älteste Philosoph derionischen Schule, und wird deswegen auch geradezu der Schöpferder griechischen Philosophie genannt. Er nahm, wie man sich ge-wöhnlich ausdrückt, das Wasser als den Urstoff aller Dinge an,oder vielmehr er glaubte, daß dieser als ein Fluidum oder als et-was Flüssiges zu denken sei. Thales soll auch die Mathematik undAstronomie aus Egypten nach Griechenland verpflanzt, und zuerstunter den Griechen eine Sonnensinsterniß vorhergesagt haben. SeinFreund und Schüler Anaximander aus Milet gab jenemUrstoffder Dinge, damit er nicht mit einem besonderen einzelnen Stoffeverwechselt werde, den Namen des Unendlichen. Unter den nach-folgenden ionischen Philosophen sind Anarimenes von Milet,ein Schüler Anarimander's, und der im Jahr 500 v. Chr. geboreneAnaragoras von Klazomcnä in Jonien die berühmtesten. DerLetztere verpflanzte die ionische Philosophie nach Athen, brachte siezuerst in ein eigentliches System, und nahm zuerst unter den griech-ischen Philosophen eine höchste Intelligenz oder ein höchstes erken-nendes Wesen als dasjenige an, was der todten, nach seiner Mei-nung ewigen, Masse Leben, Gestalt, Bewegung und Ord-nung gab.

Die zweite Art der philosophischen Dichtung fand in Italienund Sicilien ihre meisten Bearbeiter, und heißt die italische oderdie pythagoreische Schule. Sie gingen von dem berühmtenPythagoras aus, von welchem bereits oben (S. 242) geredet worden