Band 
Erster Band.
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Griechen. Geistiges Leben der älteren Zeit.

ist. Pythagoras soll es gewesen sein, der den Namen Philosophschuf: er gab nämlich aus Bescheidenheit nicht zu, daß man ihneinen Sophos d. i. einen Weisen nenne, sondern erfand statt dessenden Namen Philosophos d. i. ein Freund der Weisheit oder einnach Weisheit Strebender. Pythagoras nahm zuerst das Ethischeoder die Moral als etwas Wesentliches in die Philosophie auf.Er kleidete ferner die Begriffe von dem Höheren in das Gewandder Mathematik, indem er dieselben als Größen bezeichnete, undz. B. den Urgrund aller Dinge die Einheit, die Materie aber dieZweiheit benannte, und die Tugend als die Harmonie oder Ein-heit der Seele ansah. Auch die Welt ist nach der pythagoreischenPhilosophie ein harmonisch geordnetes Ganze, welches aus zehngroßen Körpern besteht, die sich um die Sonne als ihr Centrum inharmonischen Verhältnissen bewegen. Die Gottheit ist nach derpythagoreischen Lehre die Seele der Welt, die menschliche Seeleaber ist ein Ausfluß derselben, und kehrt, nach ihrer Wanderungdurch viele Körper, zuletzt in jene zurück. Pythagoras legte end-lich zuerst einen festen Grund für die mathematischen Wissenschaftenunter den Griechen. Er selbst erfand eine der wichtigsten Stützenderselben, den nach ihm benannten pythagoreischen Lehrsatz; undzu den Pythagorcern der folgenden Zeiten gehören einige Männer,durch welche die Astronomie, die Mechanik und andere Fächer derMathematik in hohem Grade gefördert wurden.

Wie durch Pythagoras Kroton in Unteritalien der Sitz einesphilosophisch-politischen Strebens wurde, so ging die dritte Art vonPhilosophie aus der damals sehr mächtigen Stadt Kolophon inIonien hervor, welche ebenfalls eine Zeitlang der Sitz einer phi-losophischen Dichtung war. In ihr ward Xeuophanes geborenund erzogen, der in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhundertsin die griechische Colonie Elea in ttnteritalien auswanderte, undhier die sogenannte eleatische Philosophie gründete. Seineund seiner Schüler Lehre war Pantheismus, oder mit andern Wor-ten die Eleatiker gingen von der Vorstellung aus, daß alle Dingeein einziges, von einander untrennbares All bildeten, und daß folg-lich Gottheit und Welt eins und dasselbe sei. Die eleatische Phi-losophie war das erste eigentliche System, welches unter den Griechenentstand. Außerdem haben die Eleatiker zuerst die Wahrnehmungen