Griechen. Erster Perser-Krieg. Z45
des Mittagsmahles dreimal die Worte zuzurufen: „Herr, gedenkeder Athener!"
Wenige Jahre nach der Unterdrückung der kleinasiatischen Em-pörung setzte ein Heer und eine mit Landungstruppen verseheneFlotte unter Mardonius, dem Schwiegersohn des Königs, nachEuropa über, um durch Thracien und Macedonien gegen Griechen-land zu ziehen (492 v. Chr.). Dieses Heer drang bis an dieGrenze Macedonicns vor, wurde aber hier durch einen kriegerischenVolksstamm lange aufgehalten und größteniheils aufgerieben; dieFlotte hatte an dem gefährlichen Vorgebirge Athos, welches eineder Südspitzen der thracischen Halbinsel Chalcidike bildet, einenfurchtbaren Sturm zu bestehen, und ging sammt ihrer Bemannungfast ganz unter. Mardonius mußte also mit dem Rest seinesHeeres noch in demselben Jahre nach Asien zurückkehren.
Im nächsten Jahre wurde von den Persern die Insel Thasosunterworfen, und ein neuer Kriegszug ausgerüstet. Außerdem muß-ten königliche Herolde in die einzelnen griechischen Staaten reisen,um dieselben mit dem üblichen Ausdruck, daß sie dem Perser-KönigErde. und Wasser geben sollten, zur Unterwerfung aufzufordern.Theben und fast alle übrigen böotischen Städte, sowie die meistenInseln des Archipelagus leisteten Gehorsam. In Sparta undAthen dagegen wurden die persischen Herolde nicht allein zurückge-wiesen, sondern sogar umgebracht. Man warf sie nämlich zu Athenin einen Abgrund, in welchen gemeine Verbrecher gestürzt zu werdenpflegten, und zu Sparta in einen Brunnen, gleichsam um sich da-selbst Erde und Wasser zu holen. Später fühlten sich die Spar-taner durch häufige ungünstige Zeichen bei den Opfern wegen die-ser Verletzung des Völkerrechts beunruhigt, und suchten dasselbedurch eine Art von Sühne wieder gut zu machen. Der spartanischeSenat ließ an das Volk die Anfrage ergehe», ob einige Bürgerbereit wären, als Opfer für jene Herolde zu sterben. Zwei edleSpartaner boten sich dazu an. Diese wurden an Terrcs, denSohn und Nachfolger des DariuS, geschickt, damit derselbe durch ihreTödtung sich für' den Mord seiner Gesandten Genugthuung ver-schaffe. Auf ihrer Reise nach Persien kamen sie zu HydarneS, demSatrapen Kleinasiens. Dieser bewirthete sie, und forderte siedringend auf, ihre Mitbürger zur Unterwerfung unter die Perser