Griechen. Vom zweiten bis zum dritten Perser-Krieg. ZHg
Munde war, plötzlich seine Lebensweise, vermied die heiteren Kreiseseiner Freunde, war schwermüthig und nachdenkend, und brachteganze Nächte schlaflos zu; und als man ihn um den Grund davonfragte, antwortete er, die Trophäen des Miltiadcs ließen ihn nichtschlafen.
Themistokles und Aristidcs standen nach Miltiades Tode dreiJahre lang neben einander an der Spitze des Staats, und arbei-teten zusammen, der Eine, als sparsamer Verwalter der Finanzenund als rechtlicher Mann, der Andere als ein Staatsmann, welchemjedes Mittel, das zum Zwecke führt, gut und recht erschien; imJahre 486 v. Chr. aber verdrängte der Letztere den Ersteren.Themistokles bewirkte nämlich, daß Aristidcs durch den Ostracismusaus Athen verbannt wurde. Mau erzählt, daß bei der Abstimmung *hierüber ein gemeiner Athener, welcher nicht schreiben konnte, demihm unbekannten Aristidcs die Scherbe mit der Bitte gereicht habe,den Namen Aristidcs darauf zu schreiben; und daß er, als dieserihn fragte, was ihm denn Aristidcs Böses gethan habe, geantwortethabe: „Gar nichts, ich kenne ihn nicht einmal, allein es ärgertmich, daß alle Welt ihn vorzugsweise den Gerechten nennt."
Jetzt stand Themistokles ohne Nebenbuhler au der Spitze desStaats, und lenkte das Volk vermittelst des großen Einflusses, dener sich verschafft hatte. Er wußte die Mittel, welche eine Demo-kratie talentvollen Männern darbietet, so zu benutzen, daß Athenbald aus einem Städtchen ein Hauptstaat der Welt ward. Er ver-folgte die zwei Zwecke, sich selbst unentbehrlich und seine Vaterstadtgroß und berühmt zu machen, und erreichte beide. Athen stand da-mals ganz allein, während die Spartaner das anerkannte Hauptdes dorisch-peloponnesischen Bundes waren; ja Athen hatte sogaran den Aegineten einen übermächtigen Feind in seiner unmittelbarenNähe. Außerdem mußte Athen damals einen neuen Angriff vonSeiten der Perser erwarten, deren Macht um so furchtbarer schien,da alles Land vom Hellespont bis nach Thessalien, sowie fast alleInseln des Archipelagus ihnen gehorchten. Athen hatte daher nichtsWichtigeres zu thun, als seine Flotte zu vermehren. Themistokles^kannte dies, und suchte so viel als möglich die Seemacht seinerVaterstadt zu vergrößern, damit Athen auf dem sichersten und na-türlichsten Wege zu größerem Ansehen gelange, und dem Kampfe