Griechen- Dritter Perser-Krieg. g7l
Delphier zur Flucht auf die benachbarten Fclsenhöhen, verbargenwahrscheinlich die Schätze des Tempels, und sprengten, um dieGemüther der Feinde zu beunruhigen, das Gerücht aus, Apollohabe verkündet, daß er selbst sein Heiligthum vertheidigen und dieAngreifenden vernichten werde. Die Perser näherten sich sorglosder, wie sie erfuhren, von Menschen verlassenen Stadt, zu welcherman von Böoticn her nur über rauhe Berge und durch engeSchluchten gelangen konnte. Sie wurden Plötzlich durch die aufden Höhen versteckten Delphier, welche Felsblöcke herabstürzten, an-gegriffen, ohne sich gegen ihre Feinde vertheidigen oder dieselbenauch nur erblicken zu können, und geriethen dadurch um so mehrin Verwirrung, als zufälliger Weise zugleich ein furchtbares Ge-witter ausbrach. Sie ergriffen bestürzt die Flucht, und verloren,von den auf den Berghöhen verborgenen Delphiern fortwährendangegriffen, viele Leute. Diese Rettung einer menschenleeren Stadtund ihrer Heiligthümer fand auf eine so ungewöhnliche WeiseStatt, daß man sie nur durch ein Wunder erklären zu könnenglaubte, und daß sich im griechischen Volk die Meinung festsetzte,Apollo habe wirklich selbst den heiligen Sitz seiner Verehrung gegendie Feinde vertheidigt. Manche Delphier wollten sogar Wesenvon übermenschlicher Größe gegen die Perser kämpfen gesehen haben,und in einem Tempel ihrer Stadt wurden später zwei Felsstücke aufbe-wahrt, von denen man behauptete, daß sie durch Apollo selbst aufdie Feinde geschleudert worden seien.
Dadurch, daß die peloponnesischen Griechen nach der Erober-ung von Thermopylä nur den Zugang zu ihrer Halbinsel zu ver-theidigen beschlossen hatten, war Mittelgriechenland den Feindenebenso preisgegeben worden, wie einige Wochen früher durch dieZurückziehung der griechischen Truppen aus dem Tcmpe das LandThessalien. Auch Attika war ohne die Hülfe der Peloponnesierebensowenig zu vertheidigen, als irgend ein anderer Theil des mitt-leren Griechenlands. Als daher die Perser von Böoticn aus sichdem attischen Lande näherten, blieb den Bewohnern desselben nichtsübrig als Unterwerfung oder Flucht. Sie wählten das Letztere,und suchten ihre Rettung da, wo nach des Themistokles sicheremBlicke allein auch der entscheidende Sieg zu erwarten war, auf demMeere. Die streitbaren Männer der Stadt Athen begaben sich