Griechen. Vom drittcn.Perser-Krteg bis zu Cimon'S Tod. zgM
aus dem von ihnen angehörten Gespräche den sicheren Beweis derVerrätherei erhielten. Pausanias sollte hierauf verhaftet werden,ward aber von einem ihm befreundeten Ephoren gewarnt, und flohin einen Tempel. Aus diesem als einem geheiligten Asyl durfteman ihn nicht gewaltsamer Weise herausreißen; man ummauerteaber den Tempel, um den Verräther durch Hunger zum Verlassendes Ortes zu zwingen. Pausanias verließ seine Zufluchtsstättenicht, wurde aber, als er dem Hungertode nahe war, aus dem Tem-pel getragen, damit dieser nicht durch eine Leiche entweiht werde,und starb wenige Augenblicke nachher (469 v. Chr.).
In das Schicksal des Pausanias wurde auch Themistoklesverwickelt, dessen Vaterstadt einige Jahre vorher eine große Ver-änderung in ihrer Verwaltung erlitten hatte. Aristides war dereinflußreichste Mann von Athen geworden, und hatte sein Ansehendurch eine sehr folgenreiche Maßregel, die er beantragte unddurchsetzte, zu befestigen gewußt. Um nämlich die Tapferkeit, welcheauch die unteren Klassen im Perser-Kriege gezeigt hatten, zu be-lohnen, namentlich aber um die Zahl der Steuerpflichtigen zu ver-mehren, ließ Aristides durch die Volksversammlung das Gesetz geben,daß alle vier Klassen des Volks gleiche Rechte und gleiche Pflichtenhaben sollten. Dadurch wurden die seither steuerfreien Thetesoder die Bürger der vierten Klasse zur Theilnahme an den Ab-gaben gezogen, zu gleicher Zeit erhielten dieselben aber auch dasRecht der Ämter-Verwaltung, und begannen von setzt an in alleStellen sich einzudrängen und in den verschiedenen Collegien denTon anzugeben. Athen ward durch diesen wichtigen Schritt inseiner politischen Entwickelung ganz demokratisch, und es bildete sichdamals eine entschiedene Trennung der Parteien, ein Kampf, welchemAthen seine herrlichsten Talente, seine schönsten Zierden, seine größ-ten Redner und Staatsmänner verdankt. Aristides blieb bis zuseinem Tode der Mann des Volkes; Themistokles aber ward, ob-gleich er Athen gerettet und mehr als irgend jemand vor ihm em-porgehoben hatte, ein Opfer der großen demokratischen Eifersuchtseiner Mitbürger: er sank in demselben Grade, in welchem desAristides Ansehen stieg, und erlag zuletzt den vereinten Anstreng-ungen seiner Gegner. Er wurde durch den Ostracismus aus Athenvertrieben (471 v. Chr.), und zog sich nach der Stadt Argoö zu-