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Geschichte der alten Welt.
6. Perikles und Athen.
Nach Cimon's Tod schwang sich Perikles an die Spitze desathenischen Staats empor, und obgleich die Verfassung von Athenin die wildeste und unregelmäßigste Form der Demokratie ausge-artet war, so leitete er das Volk doch säst wie ein unumschränkterMonarch. Die Geschichte dieses größten griechischen Staatsmannsbedarf deshalb einer ausführlicheren Darstellung. Perikles, ein Sohndes Lanthippns, gehörte der reichen und vornehmen Familie derAlkmäoniden an. Seiner äußeren Gestalt nach hatte er mit demwegen seiner Schönheit berühmten Pisistratus eine so große Ähn-lichkeit, daß er anfangs sogar schon dadurch allein die DemokratenAthen's gegen sich einnahm. Er war mit den größten Talentendes Geistes ausgestattet, und hatte die beste Erziehung erhalten.Er selbst vollendete dieselbe in der Blüthe des Alters, und ver-einigte zuletzt die ganze Bildung seiner Zeit in sich. Ehe er indas politische Leben eintrat, suchte er durch die Philosophie sich diemöglichst tiefe Einsicht menschlicher und göttlicher Dinge zu er-werben, und beschäftigte sich außerdem namentlich mit den Künstenund dem Studium des Staatswesens und der Beredsamkeit. Phi-dias, der größte griechische Bildhauer, Dämon, einer der bestenLehrer der Redekunst, der Philosoph Anaragoras und andere durchihre geistige Größe ausgezeichneten und berühmten Männer warenseine Freunde, und lebten mit ihm auch späterhin in vertraulichemVerkehr.
Neben diesen Männern gehörte in Perikles höherem Lebens-alter noch Aspasia aus Milet, eine der gebildetsten Frauen desAlterthums, zu dem engeren Kreise seiner Freunde. Sie war einejener Frauen, welche von den Griechen Hetären d. i. Freundinnengenannt wurden, und von Perikles Zeit an eine immer größereBedeutung erhielten. Die griechischen Frauen nahmen nämlich, beidem vorherrschend politischen Streben der Männer, an dem gesell-schaftlichen Leben derselben keinen Antheil, ja, sie lebten überhauptden herrschenden Ansichten von Anstand und weiblicher Sitte gemäßso zurückgezogen, daß sie, ausgenommen bei Leichenbegängnissen undbei einigen religiösen Festen, sogar das Haus nur sehr selten ver-ließen. Sie standen aber deshalb auch an Bildung den Männernbedeutend nach, und dies gab mit dem Fortschreiten der Cultur