Griechen. Perikles und Athen. zgz
jenen sogenannten Hetären eine große Bedeutung. Diese warenFrauen, welche gegen die bestehende Sitte mit Männern verkehrten,und namentlich durch Feinheit des Benehmens, durch Geist undBildung sich auszeichneten. In den späteren Zeiten waren sieinsgesammt zu großer Sittenlosigkeit entartet, zu Perikles Zeit aberstanden sie, wenigstens der größeren Zahl nach, moralisch viel höher.Übrigens waren alle athenischen Hetären Ausländerinnen, da dieGesetze des Staats und die öffentliche Meinung den Bürgerinnenein solches Verhältniß nicht gestatteten. Die Hetären wußten durchdie angegebenen Vorzüge besonders Männer von Rang und Bild-ung zu fesseln, welche, wegen der Beschaffenheit der Erziehung undgesellschaftlichen Stellung der Bürgerinnen, der feineren Reize desweiblichen Umgangs entbehrten. Aspasia war die berühmteste athen-ische Hetäre und mit den ausgezeichnetsten Athenern ihrer Zeit be-freundet; selbst der Philosoph Sokrateö lebte mit ihr in freund-schaftlichem Verkehr, und bekannte, durch ihren Umgang in seinerBildung sehr gefördert worden zu sein. Auch Perikles brachte seineMußezeit vorzugsweise in ihrem Kreise zu, und als er von seinerersten Gemahlin sich getrennt hatte, vermählte er sich sogarmit ihr.
Perikles war in Hinsicht auf die Beredsamkeit, welche in denalten Freistaaten eine der wichtigsten und unentbehrlichsten Eigen-schaften der Staatsmänner war, allen seinen Zeitgenossen so sehrüberlegen, daß man ihm wegen dieses Vorzugs, sowie wegen seinergroßen politischen Fähigkeiten überhaupt den Beinamen des olymp-ischen gab. Man pflegte zu sagen, seine Worte glichen dem Blitzund dem Donner und träfen wie diese. Übrigens gehörte er zudenjenigen Rednern, welche nur aus den inneren Gehalt, nicht aufdie Form des Vortrags Bedeutung legten. Seine Beredsamkeitberuhte auf gediegener philosophischer Bildung und auf vollkommenerKenntniß der menschlichen Natur, und obgleich er auch die künst-lichen Mittel der Überredung nicht verschmähte, so sank er doch niezu dem Pöbel seiner Zuhörer herunter, sondern hob vielmehr diesenstets zu sich herauf.
Durch Geburt der Aristokratie angehörend, konnte er bei seinemersten Auftreten nur als Begünstiger der Demokratie sich der Mengeempfehlen, indem jene Partei an Cimvn und Anderen bereits ihre